Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Hertie-Umbau gescheitert? Delmenhorster Hertie-Investor steht ohne Mieter da

Von Michael Korn | 24.02.2016, 21:51 Uhr

Nach Angaben aus der Ratspolitik steht die potenzielle Investorenfirma für den Hertie-Umbau ohne Hauptmieter da. Auch weitere ernsthafte Interessenten gebe es nicht. Die Ratspolitik ist skeptisch vor allem wegen des Risikos für die geplanten öffentlichen Millionenzuschüsse.

Das Hertie-Projekt in Delmenhorst droht trotz Aussicht auf öffentliche Subventionen in Millionenhöhe zu scheitern: Der potenzielle Investor für einen Umbau der Kaufhaus-Ruine in ein neues Wohn- und Geschäftshaus steht offenbar ohne ernsthafte Mietinteressenten da, wie es in vertraulicher Sitzung mit Fraktionsvertretern am Dienstag, 23. Februar, hieß. Damit gäbe es derzeit keine nachhaltige wirtschaftliche Grundlage für die voraussichtlichen Instandsetzungskosten von 14,5 Millionen Euro.

Anker-Mieter abgesprungen

Teilnehmer des Treffens hinter verschlossenen Türen berichteten dem dk, dass der erhoffte „Anker-Mieter“ – also ein namhaftes Zugpferd aus dem Einzelhandel – laut Investor DIH (Deutsche Immobilien Holding) abgesprungen sei. Diese Nachricht habe erhebliche Skepsis bei den Ratsmitgliedern ausgelöst, welche Absicherung es dann für die städtischen Millionenhilfen zum Hertie-Umbau gäbe. Eine zufriedenstellende Antwort zur Abdeckung des finanziellen Risikos für die Stadt habe es nicht gegeben, zumal auch in der Beschlussvorlage für den Stadtrat zur Bewilligung der Zuschüsse an den Investor von einer Risikoübernahme die Rede ist..

Stadt garantiert 1,85 Millionen Euro

Laut diesen Unterlagen würde die Stadt mit dem Investor einen Stadtumbauvertrag schließen, der die Modernisierung und Instandhaltung der Kaufhaus-Ruine sowie den Abriss des Parkhauses beinhaltet. Zu den voraussichtlichen Kosten von 14,5 Millionen Euro würde die öffentliche Hand rund 5,5 Millionen Euro zuschießen – davon 1,85 Millionen von der Stadt Delmenhorst. Diese Summe will die Stadt allerdings auch garantieren, falls das Land seinen Förderanteil nicht zahlen sollte. Dies, so beschwichtigt das Rathaus gegenüber der Politik, sei jedoch bisher noch nicht vorgekommen.

Die Zeit drängt

Bei der Entscheidung zur Revitalisierung der Hertie-Immobilie drängt die Zeit: Der Rat soll am Dienstag, 1. März, über die Förderung beschließen. Nach der nichtöffentlichen Sitzung des Planungsausschusses am Dienstag erläutert die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Meyer-Garbe, dass es „sehr viele Fragen und Anmerkungen“ gebe, die man nun bearbeitet haben wolle. Wie CDU-Fraktionsvorsitzender Kristof Ogonovski erklärte, soll es am Donnerstag noch ein interfraktionelles Gespräch zu Hertie geben. „Wir versuchen, das Projekt positiv zu begleiten“, so Ogonovski. Jedoch gebe es auch für die CDU noch offene Fragen.

Stichtag 2. März

Wie Meyer-Garbe und Ogonovski sagten, haben Werner Uhde vom Hertie-Investor Deutsche Immobilien Holding (DIH) und Verwaltungsmitarbeiter angeboten, in den Fraktionssitzungen am Montag Fragen zu beantworten. Auch der Verwaltungsausschuss tagt vor der Ratssitzung am Dienstag. Hintergrund der Eile ist, dass Uhdes Rücktrittsrecht für den Hertie-Kauf am 2. März endet. Unterdessen sind die Preisträger des Namenswettbewerbs für Hertie geehrt worden.