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Historiker in Delmenhorst Vortrag im HWK: Bedroht der Flüchtlingszuzug Europa?

Von Frederik Grabbe | 19.05.2016, 13:02 Uhr

Stellt der millionenfache Flüchtlingszuzug einen politischen Sprengsatz für Deutschland und Europa dar? Oder deckt er nur tiefer liegende Probleme auf? Diesen Fragen widmet sich am Montag ein Vortrag im Delmenhorster HWK.

Stellt die Aufnahme von Flüchtlingen einen Sprengsatz für die Deutsche und europäische Gesellschaft dar? Oder sind sie eher Kitt? Diesen Fragen geht das Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) bei einem Vortrag über Migration, Flüchtlingspolitik und Demokratie in Europa nach. Referent im HWK am Lehmkuhlenbusch 4 wird am Montag, 23. Mai, 19.30 Uhr, der Historiker Prof. Dr. Paul Nolte sein.

Flüchtlingspolitik weist auf Risse in der Demokratie hin

Seit der millionenfachen Flucht von Menschen aus dem Nahen Osten und anderen Teilen der Welt vor Bürgerkrieg, Gewalt und Not ins wohlhabende Europa ist die Aufnahme oder Abwehr von Flüchtlingen zu einem gesellschaftlichen Sprengsatz in Deutschland und den europäischen Zusammenhalt geworden, kündigt das HWK an. Allerdings sei nicht die Flüchtlingspolitik das Problem – sie decke nur Probleme auf, die seit Längerem geschwelt hätten.

Sorge treibt Menschen zu populistischen Parteien

Viel mehr stecke die Demokratie in einer Krise. Nolte spricht von Unbehagen gegenüber dem politischen System und einer „politischen Klasse“, die die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger vermeintlich nicht mehr ernst nimmt. Diese beförderten den Zulauf neuen, teilweise populistischen, nationalkonservativen und modernisierungsängstlichen Parteien. (Weiterlesen: Soziologin zeichnet düsteres Bild von der deutschen Mittelschicht)

„Die Flüchtlingspolitik lässt die Fragilität einer Europäischen Union offen zutage treten, in welcher ein zunehmender Verzicht auf nationalstaatliche Souveränität von Bürgern wie von Regierungen nicht mehr gewünscht wird“, schreibt das HWK. Aber es gebe auch Gegenkräfte, etwa in der Mobilisierung der Zivilgesellschaft bei der Unterstützung der neu ankommenden Flüchtlinge. (Weiterlesen: Professor warnt in Delmenhorst vor Facebook)