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Hoffnung auf Entwarnung Keime im Delmenhorster Wasser: Werte bessern sich

Von Michael Korn | 25.01.2015, 20:43 Uhr

Nach dem Fund von Fäkalkeimen gibt es Anzeichen für eine baldige Entwarnung. Derweil sind Verbraucher verunsichert, hinterfragt die Politik die Informationswege der Stadtwerke.

Nach dem Fund von Fäkalkeimen im Delmenhorster Trinkwassernetz hat es gestern erste Anzeichen für eine mögliche Entwarnung Mitte dieser Woche gegeben. Nach dk-Informationen sind die Analyseergebnisse gestern besser ausgefallen als am Vortag. Dies gebe Anlass zu der Hoffnung, dass das Leitungswasser ab Mittwoch wieder keimfrei ist und die Chlorung aufgehoben werden kann, hieß es. Stadtwerke-Pressesprecherin Britta Fengler bestätigte auf dk-Anfrage eine „deutlich positive Tendenz“. Heute werde mit dem Gesundheitsamt das weitere Vorgehen besprochen.

Die Nachricht, dass E.coli-Bakterien im Trinkwasser nachgewiesen wurde, hat derweil Verunsicherung bei vielen Verbrauchern ausgelöst. Zahlreiche Anrufer meldeten sich unter der Servicenummer der Stadtwerke mit Nachfragen zum Umgang mit dem verschmutzten Wasser. Im Internet gab es kritische Fragen von Bürgern zur Informationspolitik der Stadtwerke, die erst am Samstag über die Art der Trinkwasserbelastung berichtet hatten. Dieses Thema will auch die Ratspolitik aufgreifen, wie gestern mehrere Fraktionsvorsitzende dem dk sagten. Am Donnerstag soll in einer Sondersitzung des Stadtwerke-Aufsichtsrats eine lückenlose Aufklärung der Ursachen und der Informationspolitik angestrebt werden. Die Sitzung war ursprünglich von SPD, CDU und Grünen wegen der Graft-Vernässung initiiert worden.

Derzeit wird dem Wasser Chlor beigesetzt, um die Fäkalkeime zu bekämpfen. Bei einer Pressekonferenz von Stadtwerken und Vertretern der Stadt am Samstag erklärte SWD-Chef Hans-Ulrich Salmen, dass die Ursache der Verunreinigung bei dem Brunnen 1 in Stuhr liegt. Die E.coli-Bakterien seien über Regenwasser und die dort betriebene Landwirtschaft in das Wassernetz gelangt. Da noch unklar ist, wann alle Keime zerstört sind, herrscht weiterhin ein Abkochgebot. Die SWD weist darauf hin, dass Ganderkesee-Heide nicht zum Versorgungsnetz gehört. In Elmeloh und Schierbrok endet das Netz bei der Straße Am Holz und an der Ecke Schierbroker Straße/Schulweg. Auch Stuhr ist nicht betroffen. Dort hatten sich ebenfalls Bürger besorgt gezeigt.

Am Mittwoch waren Belastungen bei einer Routineuntersuchung im Wasserwerk Annenheide entdeckt worden. Am Donnerstag bestätigte sich dort der Fund der Coli-Bakterien, am Freitag bestand der Verdacht, dass sie auch ins Trinkwassernetz gelangt sein könnten. Dieser Verdacht bestätigte sich endgültig am Samstag.

Am Donnerstag verbreiteten die SWD die erste Meldung, dass es „geringfügige mikrobiologische Belastungen“ im Wasserwerk gebe. Das Landesgesundheitsamt hatte bereits Freitagmittag die mögliche Notwendigkeit von Maßnahmen wie dem Abkochgebot oder das Chloren angesprochen. Von den SWD gab es erst am Abend offizielle Mitteilungen. Obwohl sich viele Bürger unzureichend informiert fühlten, fühlen sich Stadt und SWD in ihrem Vorgehen bestärkt: „Wir müssen die Verhältnismäßigkeit abwiegen“, bekräftigte Petra Gerlach, Fachbereichsleiterin Gesundheit, Verbraucherschutz und Gefahrenabwehr. SWD-Prokurist Dieter Meyer erklärte, dass sich die Stadtwerke am Freitagmittag umgehend mit dem Rathaus in Verbindung gesetzt hätten, nachdem es die ersten Verdachtsmomente einer Belastung des Trinkwassernetzes gab. „Schneller ging es nicht“, betonte auch SWD-Chef Salmen. Einen Tag zuvor sei bereits über einen Verdacht informiert worden.

Auf Nachfrage sagten die Fraktionsvorsitzenden Andrea Meyer-Garbe (SPD), Kristof Ogonovski (CDU) und Marlis Düßmann (Grüne), dass im Aufsichtsrat am Donnerstag unter anderem geklärt werden soll, ob der Informationsfluss der Stadtwerke verbesserungsbedürftig sei. Ogonovski wirft zudem die Frage nach dem Verursacher und möglichen Regressansprüchen wegen des Probenaufwands auf. Aufsichtsratschef Sascha Voigt (UAD) sagte, den SWD könne kein Vorwurf gemacht werden, die Krisenpläne funktionierten offenbar.