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Hollywoodschauspieler Jürgen Prochnow Theater in Delmenhorst: Kein Erbarmen für den Ex

Von Frederik Grabbe | 03.12.2016, 18:10 Uhr

Er ist ein Schwein von einem Mann. Und doch kann Jean-Pierre sich ins Leben seiner Ex-Frau zurückkämpfen. Aber die lässt ihn ordentlich kriechen. Mit der launigen Komödie „Der Mann fürs Grobe“ war am Freitag Filmschauspieler Jürgen Prochnow in Delmenhorst zu Gast. Vor allem umgangssprachlich ließ das Stück gelegentlich zusammenzucken.

Wie sieht es aus, wenn sich eine Frau von ihrem Ex hintergangen fühlt, und Jahre später die Chance hat, es ihm mit bittersüßem Genuss heimzuzahlen? Eine Variante der Antwort auf diese Frage war am Freitag im Kleinen Haus zu sehen. Hollywoodschauspieler Jürgen Prochnow mimte den Pleitier Jean-Pierre, der zu seiner Ex-Frau Séverine (Verena Wengler) zurückkehrt, um sie auf Knien um einen Job zu bitten. Sie gewährt im seine Bitte – und stellt den ehemaligen Unternehmer mit besten Referenzen als Putzkraft ein.

Pleitegeier mit unrühmlicher Vergangenheit

Jean-Pierre ist kein guter Mensch. Vor Jahren hat er seine Frau Séverine für eine weitaus Jüngere verlassen. Er ist arrogant und genießt es, die Schwächen seiner Gegner zu seinem Vorteil zu nutzen. Jedoch ist er pleite und weiß sich nicht anders zu helfen, als seine Ex um Hilfe anzubetteln. Séverine ist erfolgreiche Verlagschefin, verhilft aussichtsreichen Autoren zum Erfolg – und hasst ihren Ex-Mann abgrundtief. „Alles als einen Tritt in die Eier wäre unangebracht“, begrüßt sie Jean-Pierre. Aber sie erkennt ihre Chance zur Genugtuung: Als Putzmann soll Jean-Pierre unter dem lächerlichen Decknamen Auguste Baguett vor ihr durch den Schmutz robben, unterbezahlt und zu reichlich Überstunden gezwungen versteht sich. So will sie es dem Mann, der ihr so übel mitgespielt hat, heimzahlen.

Doch es kommt anders.

Ihre zärtliche Beziehung zu ihrem Geschäftsführer Patrice (Rolf Komorr) reibt Séverine „Auguste“ natürlich reichlich unter die Nase. Doch Patrice hat ein Verhältnis mit Séverines Assistentin. Ein Geheimnis, das Jean-Pierre bald entdeckt. Und die Schwäche seines Rivalen weiß er zu nutzen: Er erpresst Bargeld und Zigarren – und bald auch kleine Gefallen. Denn als der aufmüpfige Jean-Pierre einen vielversprechenden jungen Autor vor der Vertragsunterzeichnung schasst, steht er mit einem Bein fast schon auf der Straße. Nur Patrice kann Jean-Pierre (widerwillig) vor einem Rauswurf retten und setzt sich bei Séverine für ihn ein.

Ein Funken Liebe glüht noch

Trotzdem bringt Jean-Pierre reichlich Chaos mit sich. Den Büroboten Guillaume (Leenert Schrader) steckt er mit seinem Rebellentum bald an. Dieser ist übrigens Jean-Pierres Sohn, doch weiß dies nur Séverine, die die Geburt ihres Sohnes vor ihrem Ex-Mann verschwieg. Die Bande zwischen ihr und Jean-Pierre sind also alles andere als zerschnitten. Und dass doch noch ein Funken Liebe vorhanden ist, zeigt sich, als Jean-Pierres Ex-Freundin Victoria (Genoveva Mayer) auf den Plan tritt, für die er Séverine damals verlassen hat. Denn die möchte ein Buch über den „Mistkerl“ Jean-Pierre veröffentlichen.

Beste Unterhaltung für 450 Zuschauer

„Ein Mann fürs Grobe“ ist eine Komödie, die vor allem durch ihre Charaktere lebt. Jean-Pierre (rebellisch), Lektor Gaëtan (Patrick Dollmann, schwul mit alberner Lache), Patrice (schleimig) und Guillaume (rotzfrech) schaffen es, oftmals absurde Situationen zu kreieren und so die rund 450 Zuschauer immer aufs Neue bestens zu unterhalten. Besonders Wengler brilliert in ihren Momenten als zeternde Furie, als cholerische Séverine, die nahe am Nervenzusammenbruch steht. Viel Leben entsteht auch durch ein hohes Maß an Umgangssprache: Man kann schon zusammenzucken, wenn Séverine laut brüllend „Auguste“ zur Arbeit antreibt: „Jetzt setzen Sie ihren Arsch in Bewegung!“

Rolle nimmt man Prochnow nicht vollends ab

Ungewöhnlich sind die Anblicke, in denen Hollywoodmann Prochnow als Putzkraft in Uniform über den Boden kriecht oder dienernd vor einer Kaffeemaschine verzweifelt. Prochnow tut dem Stück mit all seiner Routine gut, die Rolle als alternder Frauenvernichter nimmt man dem immerhin schon 75-Jährigen aber nicht vollends ab. Auch hätte man sich vom Filmschauspieler eine ausgreifendere Gestik im Theater gewünscht. Diese Kritik am Rande stellt aber nur das berühmte Haar in der Suppe dar.