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Holocaust-Gedenktag im Rathaus Delmenhorster gedenken ermordeter Sinti und Roma

Von Jan Eric Fiedler | 27.01.2016, 23:03 Uhr

Das Schicksal der Sinti und Roma hat am Mittwoch beim Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus im Vordergrund gestanden. Auch die aktuelle Situation der Volksgruppe ist problematisch.

„Es waren grauenhafte Bilder, die damals um die Welt gingen und uns bis heute erschüttern.“ Diese Worte zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 fand Bürgermeisterin Antje Beilemann am Mittwoch zum Auftakt der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus im Rathaus. Der Blick der Veranstaltung richtete sich besonders auf die 500.000 Sinti und Roma, die im Holocaust umkamen und deren Tod in Deutschland erst 1982 als Völkermord anerkannt wurde. Als Gastredner war Christel Schwarz, Vorsitzender des Freundeskreises Sinti und Roma Oldenburg, eingeladen.

Erinnerung an schreckliche Schicksale

Schwarz begann mit eindringlichen Schilderungen vom Schicksal der Sinti und Roma in den Konzentrationslagern. „26 Personen aus dem engsten Umfeld habe ich verloren, die meisten in Auschwitz“, berichtete er. Seine Schwester sei dort ohne medizinische Behandlung an einer einfachen Mandelentzündung gestorben, sein Onkel habe zwei Tage lebendig in einem Massengrab in Bergen-Belsen gelegen. „Das sind Schicksale, die man nie vergessen sollte“, mahnte er.

Auch heute noch Unterdrückung und Vorurteile

Er beschrieb aber auch die aktuelle Situation von Sinti und Roma in Deutschland und Europa, die immer noch von Unterdrückung und Vorurteilen geprägt ist. „Versuche mal als Sinti, heute eine Wohnung zu mieten. Wenn es dann noch fünf oder sechs andere Bewerber gibt, hast du keine Chance“, erklärte er.Gerade in Osteuropa sei die Lage vieler Sinti und Roma katastrophal. „Man kann sich nicht vorstellen, was dort heute noch Unerträgliches passiert“, sagte er und führte als Beispiel unter anderem Tschechien an. Dort sei Kindern von Sinti und Roma der Zugang zu normalen Schulen verwehrt worden. Sie seien gleich in Sonderschulen eingeschult worden. Als diese Praxis von der EU angeprangert wurde, seien die Schulen einfach umbenannt worden.

Wunsch nach Gleichbehandlung

Für Deutschland wünscht er sich eine Gleichstellung für Sinti und Roma. „Wir wollen nicht bevorzugt werden. Wir wollen eine Gleichbehandlung“, sagte er. Er betonte, dass seine Familie seit 1730 im Oldenburger Land beheimatet ist. Trotzdem sei ihr nach dem 2. Weltkrieg zunächst die Staatsbürgerschaft aberkannt worden. „Wir sind Deutsche. Wir wollen anerkannt werden. Auch wir sind stolz auf Deutschland.“ Pedro Benjamin Becerra, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, bezeichnete die Veranstaltung als „gelebte Erinnerungskultur“, die zudem ein Zeichen setzt, indem auch andere Verfolgte des Nazi-Regimes zu Wort kommen.