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Holocaust-Opfer aus Delmenhorst Schüler gedenken mit weißen Rosen

Von Frederik Grabbe | 08.11.2016, 13:54 Uhr

32 Stolpersteine gibt es aktuell im Straßenpflaster Delmenhorsts. Sie gedenken den Opfern des Nationalsozialismus. Zwölf Schüler haben am Dienstag mit weißen Rosen die Erinnerung erneuert.

Zwölf Schüler haben am Dienstag mit einer besonderen Aktion an die Verfolgung, die Deportation, die Ermordung aber auch an das Überleben früherer jüdischer Delmenhorster erinnert. Mit weißen Rosen schmückten sie ausgehend vom Schweinemarkt die aktuell 32 Stolpersteine im Delmenhorster Straßenpflaster. „Die weißen Rosen sollen eine Geste der Erinnerung und der Ermahnung sein“, erläuterte Dr. Norbert Boese, Vorsitzender des Freundes- und Förderkreises der Jüdischen Gemeinde in Delmenhorst, der die Aktion initiiert hat. Traggebendes Motto war laut Boese „Wir vergessen nicht“. Anlass war der Gedenktag zur „Reichspogromnacht“ am 9. November 1938.

Schüler geben starkes Zeichen

„Weiß ist die Farbe von Gedenken und soll dem Anlass Rechnung tragen“, so Boese, der es „ganz stark“ fand, dass sich Schüler von der Realschule an der Lilienstraße, des Willms-Gymnasiums und der IGS an der Aktion beteiligten. Diese kamen freilich nicht unvorbereitet: „Im Unterricht haben bereits über die Stolpersteine geredet und wie sie an ausgewanderte oder umgebrachte Familien erinnern“, erzählte die Realschülerin Fabienne Langer (14). Zusammen mit ihren Mitschülern der 9b besetzte sie insgesamt 13 Steine an drei Standorten mit weißen Rosen. Der geschichtliche Hintergrund zur Reichspogromnacht sei ebenfalls bekannt, ergänzte Mitschüler Laslo Buchholz (14), der sich ebenfalls wünschte, im Schulunterricht mehr über die Delmenhorster Geschichte in Bezug auf die Judenverfolgung zu erfahren.

Ursprünglich 37 Stolpersteine

In diesem Punkt konnte Boese ein Stück weit aushelfen: Er erzählte den Schülern, dass es in Delmenhorst beispielsweise ursprünglich einmal 37 Stolpersteine gab, 36 davon für jüdische Bürger, einer für ein Euthanasieopfer. Zwei Steine seien von Angehörigen von Delmenhorster Juden nach New York und London mitgenommen worden und zwei befänden sich zur Zeit wegen der Pflasterarbeiten vor dem früheren Hertie-Gebäude in städtischer Aufbewahrung. Auch über Einzelschicksale Delmenhorster Familien wusste Boese zu erzählen.

Insgesamt 75 Opfer in Delmenhorst

Schon am Freitag hatte der Freundeskreis mit einer Putzaktion an den Stolpersteinen den Opfern des Zweiten Weltkriegs gedacht. Am Mittwoch, 9. November, findet im Rathaus um 14.30 Uhr eine Gedenkstunde statt. Insgesamt kamen 75 Delmenhorster Juden in den Gaskammern der Nazis im Dritten Reich ums Leben, recherchierte der Autor Enno Meyer für das Buch „Die Geschichte der Delmenhorster Juden“, das in den 80er Jahren verlegt wurde. 32 von ihnen wurde nun eine besondere Ehre erwiesen.