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Hospizdienst Delmenhorst braucht Hilfe Wenn der Tod mitten unter Menschen einsam macht

Von Sonia Voigt | 22.10.2018, 19:48 Uhr

Delmenhorst „Ein Tod, der wirklich ihrer war“: Das hat eine Delmenhorsterin ihrer Mutter mithilfe ihrer beim Hospizdienst gesammelten Erfahrungen ermöglicht und selbst auch Trauerbegleitung gefunden. Vom Ringen um die Finanzierung der Hospiz- und vor allem der Trauerarbeit hat der Verein nun SPD-Abgeordneten berichtet.

Wie wichtig die Sterbe- und Trauerbegleitung in ihrem eigenen Leben bald werden würde, wusste sie noch nicht, als sie vor fast 25 Jahren den Hospizdienst Delmenhorst mitbegründete. „Auch durch meine Arbeit hier habe ich es geschafft, meiner Mutter den Tod zu ermöglichen, der wirklich ihrer war. Im Heim statt im Krankenhaus und ohne mit Morphium vollgepumpt zu sein“, sagt die heute 71-jährige Delmenhorsterin. „Und als vor zwei Jahren unser Sohn starb, war ich froh, dass ich mich vorher mit dem Thema beschäftigt hatte“, ergänzt sie. Zwar quälte auch sie die Frage, warum dieses Schreckliche gerade ihnen passierte, doch sie traf in einer Trauergruppe auf Eltern, denen Ähnliches widerfuhr –„und das relativiert das Eigene etwas“.

Krankenkassen unterstützen nur Hospizarbeit

Diesen und andere Erfahrungsberichte, aber auch Wünsche des Hospizdienstes an die Politik haben die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag und der SPD-Landtagsabgeordnete Deniz Kurku aus einem Gespräch beim Delmenhorster Hospizdienst am Montag mitgenommen. Zentral dabei: Während die Ausbildung der Hospizbegleiter, die Sterbenden und ihren Angehörigen auf dem letzten Weg helfen, teilweise und mit bis zu 18 Monaten Verzögerung von Krankenkassen bezahlt wird, muss der Verein die Arbeit mit Trauernden komplett selbst finanzieren. Das Geld für die Ausbildung Ehrenamtlicher zu Trauerbegleitern, die Einzelne beraten, Gruppen und Trauercafés leiten, muss der Verein aus Mitgliedsbeiträgen und vor allem Spenden stemmen. Rund 2500 Euro kostet die 265-stündige Ausbildung. „Das ist ein Kraftakt“, sagt die Hospizdienst-Vorsitzende Karin Stelljes und wirbt um öffentliche Gelder, aber auch um mehr Spender.

Lachen im Trauercafé

„Manchmal ist es ganz laut und lustig im Trauercafé“, sagt Ursela Roßmeyer, seit 2004 Hospizdienst-Ehrenamtliche. Manchmal aber auch gar nicht. Denn viele empfinden es als entlastend, auch wiederholt von ihrer Trauer und Leidensgeschichte zu erzählen – wenn das private Umfeld davon schon nichts mehr hören will. „Wie Freunde und Nachbarn damit umgehen ist oft Thema“, berichtet sie aus acht Jahren Begleitung des Trauercafés. Aber es entstehen auch interessante Gespräche, etwa über kulturelle Unterschiede im Umgang mit Tod und Trauer. Und es entstehen Kontakte und sogar Freundschaften, die wieder ins Leben zurückhelfen.

„Keiner wollte darüber reden“

Dass Familie und Freunde schwere Krankheiten und den Tod manchmal lieber ausblenden, stellte auch die Hospizdienst-Vorsitzende Karin Stelljes fest, als bei ihr vor Jahren eine lebensbedrohliche Krankheit diagnostiziert wurde und eine kritische Operation bevorstand. „Keiner wollte darüber reden“, berichtet sie, „heute weiß ich, sie hatten Angst.“ Damals aber fühlte sie sich sehr einsam inmitten vieler Menschen und nahm sich vor: „Wenn ich das überstehe, will ich Menschen in ähnlicher Lage helfen.“ Das tut sie nun, gemeinsam mit 40 Ehrenamtlichen im Vorstand, in der Hospiz- und Trauerbegleitung sowie mit den beiden hauptamtlichen Koordinatorinnen Martina Meinken und Monika Eberhardt.

Investition in EDV muss Verein allein stemmen

Lediglich die Gehälter der Koordinatorinnen und Sachleistungen bis maximal 400 Euro sowie Teile der Hospizbegleiter-Ausbildung zahlen die Krankenkassen. Investitionen wie die 5000 Euro teure neue EDV-Ausstattung des Vereins werden nicht mal anteilig übernommen. „Unruhige Nächte“ bereitet dies dem Vorstand, und insbesondere Kassenwart Klaus Gardemann. Zwar habe das neue Hospizgesetz Anfang 2018 einen Aufschwung ermöglicht, aber einiges auch schwieriger gemacht. So müssen die Koordinatorinnen die rund 2000 Euro teuren Koordinations- und Leitungskurse jetzt schon vor statt ein halbes Jahr nach Arbeitsantritt nachweisen, was es für den Verein riskant macht, die Kosten zu übernehmen. Um Nachbesserung wollen sich nun die SPD-Abgeordneten Mittag und Kurku bemühen.