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Hubschrauberwerk in Hoykenkamp So mancher Probeflug der Fw 61 endete unsanft

Von Sönke Ehmen | 02.09.2017, 13:19 Uhr

Fliegen wie die Vögel – zahlreiche Namen sind mit diesem Sehnsuchtswunsch der Menschen verbunden. Völlig zu Recht zählt der Bremer Ingenieur und „Vater des Hubschraubers“, Henrich Focke, zu ihnen.

Untrennbar mit seinem Namen verbunden ist Hoykenkamp als Entwicklungsstätte des ersten gebrauchsfähigen Hubschraubers der Welt. Schon seit einiger Zeit konnten die Einwohner der Ortschaft Hoykenkamp im Sommer 1937 rege Aktivitäten auf dem Gelände des stillgelegten Margarinewerks beobachten. Seit 1922 hatte die Oldenburger Margarinewerke AG unter den Direktoren Schlömer und Popken das Areal für ihre Produktion genutzt. Infolge der Weltwirtschaftskrise wurde zu Beginn der 30er Jahre die Produktion aber eingestellt.

Rege Aktivität im Sommer 1937

Doch nun, im Sommer 1937, wurden mit einem Male alte Schornsteine beseitigt und neue Mauern und Hallen errichtet. Und am 26. August 1937 wurde schließlich Richtfest gefeiert, zu dem sich ein großer Teil der lokalen Prominenz einfand. Da Henrich Focke verhindert war, übernahm Diplom-Ingenieur Kirchhoff an seiner Stelle die Begrüßung der anwesenden Gäste.

Immer wieder Versuchsflüge zu beobachten

In der Anfangszeit des neu errichteten Werks bestimmte die Erforschung und Weiterentwicklung von Flugeigenschaften die Arbeit der Techniker. Immer wieder konnten die Anwohner nun Probeflüge mit dem Versuchshubschrauber Focke-Wulf Fw 61 beobachten, von denen so mancher durch einen Absturz unsanft endete. Erst später sollte die Produktion von Hubschraubern folgen.

„Drache“ ruft Bewunderung hervor

Mit dem Rotorsegler Focke-Achgelis Fa 330 „Bachstelze“ und der Fa 223 „Drache“ standen dabei zwei Hubschraubertypen im Vordergrund. Konnte sich die „Bachstelze“, hierbei handelte es sich um einen Kleinsthubschrauber, der von U-Booten für die Feinderkundung genutzt werden sollte, nie richtig durchsetzen, so war der „Drache“ in seiner Art revolutionär und rief große Bewunderung hervor. Wie bei vielen anderen Prototypen, konnte der Fa 223 aber nie wirklich die Serienfertigung erreichen.

1945 kam die Arbeit zum Stillstand

War die Firma Focke, Achgelis und Co anfangs ein eigenständiges Unternehmen, wurde sie im Zuge des „Totalen Krieges“ 1944 in die Bremer Weserflugzeugbau GmbH, ein Tochterunternehmen der „Deschimag“, eingegliedert. Produktionsverlagerungen nach Laupheim in Oberschwaben und der nahende militärische Zusammenbruch ließen im Frühjahr 1945 die Arbeit in Hoykenkamp ruhen.

Sogar Pläne für ein Filmstudio

Doch dauerte es nicht lange und es keimte neues Leben in den Hallen auf, ob es die Kaffee-Großrösterei Paul Nachtigal war oder eine Firma Kirst aus Stettin, die Backöfen herstellte. Selbst an den Aufbau eines Filmstudios war kurz gedacht worden. „Wird das Objekt aufgenommen und verwirklicht, so könnte es gleichrangig neben Berlin und München bestehen“, hieß es in einem Schreiben der Studio-Nord GmbH, welche sich für Hoykenkamp interessierte. Von Seiten der Stadt Delmenhorst regte sich gegen ein solches Projekt allerdings großer Widerstand und es kam durch Oberstadtdirektor Adolf Burgert zu Interventionen bei der britischen Militärbehörde.

Wohnwagenbau war Zwischenspiel

Erst nach der Fusion von „Weserflug“ und Focke-Wulf zu den Vereinigten Flugtechnischen Werken (VFW) im Jahre 1961 rückte wieder die Flugzeugproduktion in den Vordergrund. Allerdings nur für kurze Zeit, denn nach einem Zwischenspiel, in dem in Hoykenkamp Wohnwagen produziert wurden, kam es 1967 zur Verlagerung der Sparte Hublade- und Arbeitsbühnen von Bremen nach Hoykenkamp.

1981 schlossen sich VFW und Messerschmidt-Bölkow-Blohm zu MBB zusammen und 2008 kam es zu einer Übernahme des Unternehmens durch den österreichischen Palfinger-Konzern, welcher sich ganz auf die Produktion von Förder- und Hebesystemen konzentriert.