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Hundeführer üben in Delmenhorst Parkhaus-Abriss bietet Rettungshunden Trainingschance

Von Sonia Voigt | 29.03.2017, 08:29 Uhr

Zwischen den Trümmern des Delmenhorster City-Parkhauses haben am Samstag 15 Hundeführer für den Einsatz in Katastrophengebieten geprobt. Für die Übung unter realen Bedingungen reisten einige sogar aus Belgien an.

Hundegebell und Kommandos schallen über die Bauzäune, die den Abriss des Delmenhorster City-Parkhauses abschirmen. Dahinter spielen sich Szenen ab, die nach Erdbebengebiet oder Explosionsstätte aussehen: Hunde balancieren suchend über Geröll, Rettungskräfte rufen ihnen Anweisungen zu, damit sie die Menschen unter den Trümmern schnellstmöglich finden. Doch im Unterschied zu echten Katastrophengebieten haben sich hier die „Opfer“ nur unter dem Schutt versteckt, für eine Übung der Rettungshundestaffel der Freiwilligen Feuerwehr Lemwerder.

Hundeführer „hellauf begeistert“ von Trainingsmöglichkeit

„Ein Trainingsort mit solchen realen Bedingungen ist schwer zu bekommen“, erklärt Sprecherin Bettina Dogs am Rande der Übung am vergangenen Samstag, „wir sind hellauf begeistert, dass die Stadt ihr Ok gegeben hat.“ Um diese Chance bestmöglich zu nutzen, haben die Feuerwehrleute aus Lemwerder die befreundete Rettungshundestaffel der international tätigen Hilfsorganisation „@fire“ eingeladen. Mit Lars Prößler, Anika Baro und Kerstin Sieverding wirken drei lokale Hundeführer bei „@fire“ mit und sind für Auslandseinsätze wie zuletzt in Nepal und Haiti qualifiziert. Insgesamt folgen 15 Hundeführer, darunter sogar zwei Belgier, dem Ruf auf die Delmenhorster Parkhaus-Baustelle.

Rettungshunde lernen, einer Witterung über Schuttberge zu folgen

„Weiter, Emma“, ruft Hundeführer Sebastian Schreinecke seiner Golden-Retriever-Hündin zu. Noch etwas zögerlich tastet die Rettungshündin sich auf dem losen Schuttberg vor, immer wieder geraten kleinere Steine ins Rutschen. Trotzdem hebt sie die Nase und versucht, eine menschliche Witterung zwischen den Trümmern aufzunehmen. „Weiter, da lang“, weist Feuerwehrmann Schreinecke der ausgebildeten, aber noch nicht sehr erfahrenen vierjährigen Hündin den Weg. Emma springt über ein Baufahrzeug auf den nächsten Geröllhaufen, schlängelt sich zwischen herausragenden Eisenstangen hindurch und bellt schließlich: Sie hat das „Opfer“ gefunden.

Überwinden von Höhen ist eine wichtige Übung

„Hier lässt sich gut trainieren, die Bedingungen sind sehr real“, sagt „@fire“-Staffelleiter Denny Stübling aus Berlin. Gerade das Überwinden von Höhen und Klettern auf verschiedenen Ebenen, bis hin zum Dach des City-Parkhauses, sei eine gute Übung für Hunde und Halter. Zudem sei es wichtig, dass Hundeführer verschiedener Hilfsorganisationen die Zusammenarbeit proben. Das ist auch im Ernstfall gefordert, weiß Stübling aus Einsätzen, etwa in Nepal. „Das weicht Grenzen auf“, pflichtet ihm Bettina Dogs-Prößler von der Rettungshundestaffel Lemwerder bei. Bei der Begegnung mit den zum Teil sehr erfahrenen Kollegen von „@fire“ könnten zudem alle voneinander lernen.

Umfassende Ausbildung der Hunde auf verschiedenem Untergrund wichtig

Denn egal wie erfahren Rettungshund und Hundeführer sind: Übungsgelegenheiten müssen alle nutzen, damit sie gewappnet sind für Einsätze wie den Inkoop-Baustelleneinsturz 2015 an der Oldenburger Straße, bei dem Rettungshunde aus Lemwerder nach möglichen Verschütteten suchten. Schließlich kommen im Ernstfall immer noch neue Herausforderungen dazu. „Zum Beispiel lassen sich weite Transportwege schlecht trainieren“, erklärt Denny Stübling, „und die Bauweisen sind ganz verschieden.“ Ob die Hunde über Ziegelbruch oder Betonschutt müssen, mache durchaus einen Unterschied. Daher ist eine umfassende Ausbildung wichtig, auch an Orten wie der City-Parkhaus-Baustelle in Delmenhorst.