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Hus und Heimat Delmenhorst Das Fest und das Wäschetabu als Erbe der Germanen

Von Paul Wilhelm Glöckner | 22.12.2018, 17:44 Uhr

Unsere heutigen Weihnachtsbräuche wurzeln auch in germanischen Traditionen. Der Weihnachtsbaum hielt erst ab etwa 1860 in Delmenhorster Bürgerhäusern Einzug.

Wenn an diesem Montag, dem Heiligen Abend, mit Beginn der Dämmerung überall in der Stadt die Kerzen entzündet werden, wenn nach dem Besuch der Festgottesdienste in den Wohnungen die Lichter an den Tannenbäumen brennen, dann ist wieder für viele Delmenhorster Weihnachten geworden, das Fest der Freude und des Schenkens. Das ist es eigentlich immer schon gewesen, seitdem die Weihnachtstage, die an die Geburt Jesu erinnern sollen, im festlichen Rahmen begangen worden sind. Doch wurzelt dieses Brauchtum nicht allein im christlichen Glauben, sondern lässt sich viel weiter zurückverfolgen.

Kirche legt Jesu Geburtstag auf bekannten Festtag

Schon bei unseren germanischen Vorfahren war es üblich, zu dieser Zeit die winterliche Sonnenwende zu begehen. Jene stimmten darin mit den Römern überein, die den 24. Dezember ebenfalls als „dies natalis“, als Geburtstag der unbesiegbaren Sonne kannten. Nachdem sich das Christentum gegenüber dem heidnischen Glauben durchgesetzt hatte, knüpfte die Kirche an diese Tradition an, indem sie die Menschwerdung des Gottessohnes einfach in diese Zeit verlegte, da dessen Geburtstag sowieso nicht bekannt ist.

Unsere germanischen Vorfahren sahen im 24. Dezember nur eine erste Station von insgesamt zwölf geweihten Nächten, in denen nach dem alten Glauben die Zeit und auch die Sonne stillstanden. Und auch gesponnen wurde dann in den Familien nicht mehr. Vorbild war hierbei die Göttin Freia, weil diese ihr Spinnrad angehalten hatte. Bis auf den heutigen Tag haben sich dazu Gewohnheiten erhalten. Manche ältere Delmenhorsterin scheut sich immer noch, zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar Wäsche aufzuhängen.

Weihnachtsbaum ersetzt die Krippe

Eine lange Tradition können auch die Christmetten aufweisen. Im Mittelalter liebte man besonders dramatische Darstellungen von der Geburt Christi in den sogenannten Weihnachtsspielen. Die eigentliche Bescherung kam hingegen erst in der Neuzeit auf, sie hat sich vor allem in Deutschland und den skandinavischen Staaten durchgesetzt. Allerdings gab es die Geschenke nicht immer am Abend, sondern es war auch durchaus üblich, erst am ersten Weihnachtstag die Kinder damit zu überraschen.

Der heute überall zu findende Weihnachtsbaum ist ebenfalls mit seinen Vorläufern, etwa der in Island schon seit vielen Jahrhunderten verwandten Eberesche, mit der germanischen Zeit verknüpft. Seit etwa 1860 kennt man ihn in der Delmestadt, als er damals in den Bürgerhäusern seinen Einzug hielt und die Krippe immer mehr verdrängte.

Ratschlag von Laotse

Im fernen China feiern nur wenige Menschen unseren Heiligen Abend. Aber einen einfachen Weg der Lebensführung, der sich wesentlich von den von Loriot in seinem Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedt“ karikierten Verhaltensweisen unterscheidet, hat uns der Philosoph Laotse im 46. Spruch seines „Tao te king“, dem Buch vom rechten Weg und der rechten Gesinnung, überliefert: „Hat die Welt den rechten Weg, Saumpferde werden abgeschirrt zum Jauchen, ist die Welt ohne rechten Weg, Streitrosse wachsen auf in den Gemarken. Kein größeres Elend als das Nichtwissen vom Sichgenügen, kein größeres Verbrechen als das Begehren nach Gewinn.“