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HWK-Studie in Delmenhorst Besseres Leben im Flüchtlingsheim mit Musik

Von Bettina Dogs-Prößler | 22.06.2018, 21:15 Uhr

Ein Projekt am HWK untersucht die Auswirkung von Musikunterricht bei Flüchtlingskindern. Eine Erkenntnis ist, dass Musik ihre Lebensqualität entscheidend verbessert.

Für gewöhnlich werden Ergebnisse von Forschungsprojekten der Gastwissenschaftler am Hanse-Wissenschaftskolleg nicht in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. „Wegen der herausragenden Bedeutung für die Allgemeinheit wollten wir dieses Thema aber nicht vorenthalten“, sagte Wolfgang Stenzel, wissenschaftlicher Referent, am Freitag, 22. Juni, bei der Vorstellung des Projekts „Klänge des Willkommens: Geflohene Kinder machen gemeinsam Musik“ im Hanse-Wissenschaftskolleg.

Nicht auf der Suche nach Bach oder Bieber

Mit Unterstützung der Stadt Delmenhorst sowie der Arbeiterwohlfahrt (AWO) hatte die Irin Dr. Ailbhe Kenny über mehrere Monate im Zuge eines Musikprojekts mit Kindern der Flüchtlingsunterkunft in der Kaserne in Adelheide gearbeitet. Die Dozentin für Musikerziehung am Mary Immaculate College der Universität Limerick in Irland hat dabei untersucht, wie sich der Musikunterricht auf die soziale Entwicklung der Jungen und Mädchen in Flüchtlingsunterkünften auswirkt, welche Bedeutung Musik für ihre Identitätsfindung hat und was unter anderem auf der Gefühlsebene passiert, wenn Kinder miteinander musizieren. „Wir waren nicht auf der Suche nach einem neuen Bach oder einem neuen Justin Bieber“, sagte die 36-Jährige unter anderem vor Vertretern der Stadt Delmenhorst. Im Mittelpunkt stand vielmehr Musik als Mittel der Begegnung – in dem besonderen Lebensumfeld einer deutschen Flüchtlingsunterkunft. Teilgenommen haben Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren aus dem Irak, Syrien und Afghanistan. Insgesamt leitete die Gastwissenschaftlerin 14 Workshops, interviewte Kinder, Lehrer und Eltern und beobachtete die Jungen und Mädchen während des Unterrichts an der Schule.

Lebensqualität wird entscheidend verbessert

Auch wenn das Projekt noch nicht abschließend ausgewertet ist, vor ihrem Rückgang nach Irland kommende Woche wollte Ailbhe Kenny der Stadt erste Ergebnisse präsentieren. „Eine Erkenntnis ist, dass Musikprojekte die Lebensqualität in den Flüchtlingsunterkünften entscheidend verbessern“, meinte sie. Eine andere, dass mit Blick auf die angespannte Haushaltslage in Delmenhorst schon mit wenigen Mitteln viel getan werden könne. Kenny: „Die Gruppe startete klein nur mit den Kindern und hat sich mit der Zeit auf die Eltern und andere Bewohner erweitert.“ An die Kommune, die durch den Ersten Stadtrat Markus Pragal, den Leiter der Kontaktstelle Flüchtlinge Klaus Seibt sowie Rudolf Mattern vom Fachbereich Soziales vertreten war und dem Projekt von Anfang an sehr aufgeschlossen gegenüber stand, appellierte die Wissenschaftlerin: „Ermöglichen Sie Kindern aus verschiedenen Altersklassen Zugang zu Musik.“

„Musik bedeutet ein Stück Heimat“

HWK-Referentin Dr. Susanne Fuchs wünschte sich: „Dass sich jetzt weitere Projekte über den Bereich der Flüchtlingsunterkunft hinaus entwickeln werden.“ Gabi Baumgart, Leiterin der von der AWO getragenen Flüchtlingseinrichtung, betonte: „Insgesamt spielt Musik bei uns eine große Rolle, sie bedeutet für unsere Bewohner ein Stück Heimat“. Leider habe Singen und Musizieren in den vergangenen Jahren etwa an den Schulen immer mehr an Bedeutung verloren. Dabei verfüge beides über eine stark verbindende Komponente. „Alle Kinder sind dann gleich“, so Baumgart. Umso wichtiger sei es, die abschließenden Ergebnisse des Forschungsprojektes auch den Schulen, Lehrern und Erziehern zur Verfügung zu stellen. Dem steht laut Dr. Ailbhe Kenny nichts im Wege.