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Idee bislang nicht etabliert Foodsharing steckt in Delmenhorst in den Kinderschuhen

Von Eyke Swarovsky | 22.07.2015, 16:00 Uhr

Foodsharing richtet sich gegen die Wegwerfgesellschaft und soll Menschen beim Umgang mit Lebensmitteln sensibilisieren. Auch in Delmenhorst gibt es bereits einige aktive „Teiler“.

Jedes Jahr werden allein in Deutschland elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von 25 Milliarden Euro weggeschmissen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen wären 275000 Sattelschlepper notwendig, um diese Menge abzutransportieren. Aber wie schafft man es, die Menschen beim Thema Lebensmittelverschwendung zu sensibilisieren?

Noch kein Eintrag für Delmenhorst

In Zeiten von sozialen Netzwerken im Internet wie Facebook, Twitter und Co. ist es eigentlich ein Leichtes, Lebensmittel zu verwenden, bevor sie in die Tonne wandern. Neudeutsch nennt sich das ganze „Foodsharing“ und funktioniert ganz einfach: Wer Lebensmittel übrig hat, weil er beispielsweise zu viel gekocht oder eingekauft hat, bietet die Waren im Internet an. Ein anderer sieht das Angebot und kann es sich kostenlos beim Anbieter abholen. Eine solche Plattform bietet zum Beispiel das bundesweite Portal www.foodsharing.de. Delmenhorst hat dort jedoch keinen einzigen Eintrag. Anders sieht es da in der öffentlichen Facebook-Gruppe „Foodsharing Delmenhorst und Umzu“ aus. Die Gruppe besteht aus momentan 275 Mitgliedern. Ins Leben gerufen hat sie vor rund einem Jahr Marvin Ernst mit seiner Frau Tamara.

Gutes tun undKontakte knüpfen

„In anderen Facebook-Gruppen wurde damals über das Thema diskutiert“, sagt Ernst. Kurzfristig habe er sich dazu entschlossen, eine solche Plattform für Delmenhorst zu eröffnen und als Administrator zu verwalten. „Man vermeidet, Lebensmittel wegzuwerfen, tut den Menschen, die es gebrauchen können, etwas Gutes und nebenbei werden auch noch Kontakte geknüpft“, sagt Ernst. Er betont, dass er in der Altenpflege tätig sei und insgesamt eine soziale Ader besitze. „Ich hatte selbst einmal eine Phase, in der ich die Dienste der Tafel in Anspruch nehmen musste“, erzählt er. Gerade jetzt, wo die Tafeln aufgrund der immer weiter steigenden Zahl an Bedürftigen in die Bredouille kommen, könne Foodsharing einen Beitrag dazu leisten, von privat zu privat zu helfen und somit auch ein wenig Druck von den Tafeln zu nehmen.

Zwei bis drei Angebote pro Woche

Bislang läuft die Delmenhorster Foodsharing-Gruppe noch schleppend. Das Prinzip hat sich noch nicht etabliert. „Zwei bis drei neue Angebote kommen pro Woche rein“, sagt Marvin Ernst. „Es dürfte aber gerne noch viel mehr sein.“ Der große Stein müsse nur erst einmal ins Rollen gebracht werden.

„FairTeiler-Kasten“ auch abseits des Internets

In anderen Städten gibt es das Foodsharing-Prinzip mittlerweile auch abseits des Internets. An der Uni in Bremen gibt es zum Beispiel einen sogenannten „FairTeiler-Kasten“. In diesen Schrank können übrig gebliebene Lebensmitteil hineingelegt werden. Wer etwas haben möchte, nimmt es sich heraus und legt beim nächsten Mal vielleicht selbst etwas hinein. Die Idee findet Marvin Ernst auch für Delmenhorst interessant: „Wenn die Stadt für so etwas vielleicht den Anschub gäbe und einen isolierten Kasten aufstellt, dann würde ich mich auch sofort dazu bereit erklären, mich darum zu kümmern, dass die Box in einem guten Zustand bleibt“, sagt er. Natürlich funktioniere so etwas aber nicht mit leicht verderblichen Lebensmitteln wie frischem Fisch oder Fleisch.

Lobenswerte Idee gegen Verschwendung

Foodsharing sei eine lobenswerte Idee gegen die Verschwendung. Richtig funktionieren könne sie jedoch nur, wenn genügend Leute mitmachen. Wenn jemand aus Düsternort für ein paar Kekse oder ein Glas Gewürzgurken mit dem Auto nach Hasbergen fahre, werde der Sinn der Sache auch verfehlt.