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Ilja Richter mit Senioren-Revue Wackelnde Kiefer und ravende Senioren

Von Jan Eric Fiedler | 09.01.2015, 13:44 Uhr

Mit „Du kannst nicht immer 60 sein“ haben Ilja Richter und Ulrich Michael Heissig im fast ausverkauften Kleinen Haus in Delmenhorst eine witzige Revue präsentiert. Die Show bot teils absurde Momente.

Kult-Moderator Ilja Richter und Ulrich Michael Heissig als Hildegard Knefs fiktive Zwillingsschwester Irmgard haben dem Publikum im Kleinen Haus am Donnerstag eine ungewöhnliche Show zum Thema Älterwerden präsentiert. Gemeinsam haben die beiden Schauspieler das Stück verfasst und so zeigten sie sich perfekt aufeinander eingespielt.

Eigentlich wollte Richter seine Biografie „Du kannst nicht immer 60 sein“ vorstellen. Das Problem: Knefs Programm trägt den gleichen Titel. Und so stehen auf einmal beide auf der selben Bühne. Nach einem kurzen Streit einigen sie sich, dass sie sich im zehnminütigen Rhythmus abwechseln.

So begann Richter sogleich in einer Art Stand-up-Comedy über seine Schlager-Sendung „Disco“ zu sinnieren, inklusive Imitationen von Peter Alexanders gespielt überraschten Begrüßungen und Vico Torrianis wackelndem Unterkiefer. Heissig zeichnete dagegen die 89-jährige, zum Nuscheln neigende Irmgard Knef als alternde Möchtegern-Diva mit Neidkomplex gegenüber ihrer Schwester („Sie sang vor vollen Häusern, ich sang voll vor Häusern“).

Wirklicher Schwung fehlte der Show zu diesem Zeitpunkt noch. Das änderte sich aber, als die beiden Hauptdarsteller sich immer mehr in das Programm des anderen einmischten. Dann kamen sie endlich auch zum Hauptthema des Abends, dem Altern. Während Knef „Der Lack ist ab“ sang, überlegte Richter, mit welchen Folgen das Älterwerden gerade bei Männern verbunden ist.

Das Stück bestach durch eine gute Mischung aus cleverem Wortwitz, schnellen Gags und absurden Szenen. Wer sich auf Momente, in denen eine menschgewordene Prostata mit Discokugel auf dem Kopf zu den Klängen von Marianne Rosenberg „Ich gehör‘ zu dir“ singt, einlassen konnte, wurde in der Revue bestens unterhalten.

Spaß machten dabei nicht nur die bissigen Dialoge zwischen Richter und Heissig, sondern vor allem auch die zahlreichen Lieder der beiden. Teils selbst komponiert, teils in Form umgetexteter Klassiker nahmen sie das Seniorendasein gekonnt aufs Korn. Den Abschluss bildete ein Lied zu Techno-Klängen, in dem sie über die Zukunft der heutigen Jugend mit Rave-Partys und Ginseng-Ecstasy in Seniorenheimen philosophierten.

Unterstützt wurden die beiden Protagonisten durch Kim Pfeiffer, die gleich in mehrere Nebenrollen, unter anderem die der Prostata, schlüpfte und die vierköpfige Band „Die toten Rosen“.