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Im Gespräch mit Grotelüschen Drogenberatung Delmenhorst wünscht sich mehr Geld

Von Merlin Hinkelmann | 25.08.2017, 15:59 Uhr

Die Anforderungen wachsen, die finanzielle Unterstützung nicht: Die Anonyme Drogenberatung Delmenhorst (Drob) hat mit der Bundestagsabgeordneten Astrid Grotelüschen und der Landtagsabgeordneten Annette Schwarz (beide CDU) über Schwerpunkte und Herausforderungen in der Arbeit mit Suchtkranken gesprochen.

„Kinder von Abhängigen haben ein sechsfach höheres Risiko, einmal selbst süchtig zu werden.“ Die Worte von Evelyn Popp sind unmissverständlich. Popp ist Leiterin der Drogenberatungsstelle (Drob) in Delmenhorst, einer AWO-Einrichtung. Ein immer größerer Teil ihrer Arbeit entfällt auf die Beratung und Betreuung von Kindern mit suchtkranken Eltern. Eine Entwicklung, über die sich die beiden CDU-Politikerinnen Astrid Grotelüschen und Annette Schwarz am Freitag informiert haben. Für Grotelüschen war es der erste Besuch in der AWO-Einrichtung. Im Gespräch legte die Drob-Leiterin ein besonderes Augenmerk auf das Projekt „Looping“, bei dem sich die Drogenberatungsstelle um den Nachwuchs suchtkranker Eltern kümmert.

Auf Sponsorengelder angewiesen

„Wir erklären den Kindern, dass sie nicht schuld sind an der Situation. Und den Eltern zeigen wir auf, wie sie gute Eltern sein können“, erklärte Henning Fietz, Bereichsleiter Prävention, den Ansatz hinter dem Projekt. Man könne Familien zwar nicht „erziehen“, betonte Popp, „aber wir unterstützen sie dabei, auf den richtigen Weg zu kommen“. Grotelüschen erklärte, die Drob sei die einzige Anlaufstelle in ihrem Wahlkreis, in dem es ein solches Angebot gebe. Auch das sei ein Grund für ihren Besuch gewesen. Das Problem ist die Finanzierung solcher Programme. Beim „Looping“-Projekt etwa ist die Drob zu 100 Prozent abhängig von Sponsorengeldern. „Es gibt keine Regelversorgung, leider“, sagte Fietz. „Alle schreien immer nach Prävention, aber zahlen will keiner dafür.“ Fehlende Sozialarbeiter verschärften das Problem noch. Annette Schwarz versprach, dieses Anliegen in der nächsten Legislaturperiode voranzubringen. Für Schwarz ist Delmenhorst ein „herausragendes Beispiel in der Drogenberatung“. Die Drob nehme Entwicklungen wahr und richte ihre Arbeit auf die Anforderungen der Zeit aus.

Hemmschwelle gesunken, aber immer noch zu hoch

Und trotzdem sei die Suchtberatung immer noch ein Tabuthema, so Popp. Wenngleich die Hemmschwelle heutzutage deutlich tiefer sei als etwa vor 30 Jahren. Dreh- und Angelpunkt ist laut Popp die richtige Vernetzung. „Schulen und Kitas müssen begreifen, dass sie nicht alleine dastehen“, erklärte Popp. Hennig Fietz verdeutlichte das mit einem Beispiel: „Wenn ein Schüler Cannabis konsumiert und die Lehrer merken das, sollten sie sich sofort an einen Vernetzungspartner wie die Drob wenden.“ Denn vor Ort könne das Problem nicht gelöst werden. „Wir müssen Brücken bauen, dann profitieren alle.“ Grotelüschen zeigte sich beeindruckt vom „hohen Engagement“ der Beratungsstelle und kündigte an: „Ich werde in Berlin erzählen, was die Drob hier für tolle Arbeit leistet.“