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Imaginäre Schüsse auf Polizisten Skurriler Fall von Beamtenbeleidigung in Delmenhorst

Von Frederik Grabbe | 06.06.2018, 17:13 Uhr

Er feuerte mit einer imaginären Waffe auf Polizisten und versuchte, sie mit einem Lufttritt einzuschüchtern: Ein junger Delmenhorster muss sich derzeit vor dem Amtsgericht verantworten.

In einem besonders skurrilen Fall von mehrfacher Beleidigung musste sich am Mittwoch ein 22 Jahre alter Delmenhorster vor dem Amtsgericht verantworten. Dem jungen Mann wirft die Staatsanwaltschaft zudem Diebstahl sowie versuchte einfache und gefährliche Körperverletzung vor.

Opfer widerspricht sich in seinen Aussagen

Das Geschehen selbst, das eine Reihe von Beleidigungen gegenüber mehreren Polizeibeamten ausgelöst hatte, grenzt an einer Lappalie: An einem frühen Morgen im März 2018 soll der Angeklagte einem heute 19-Jährigen Bargeld an einer Brücke nahe der Mili abgenommen und ihm einen Schlag verpasst haben. Das betrunkene Opfer trug in seiner Geldbörse lediglich eine ukrainische Geldnote mit sich, die später beim Angeklagten gefunden wurde. Der Wert: 20 Hrywnja (umgerechnet 64 Cent). In der Verhandlung selbst konnte sich der Zeuge selbst nicht mehr an die Details erinnern. In einigen Punkten widersprach er den eigenen vorherigen Aussagen. Die Frage, ob der Angeklagte den Geldschein an sich gerissen oder der Zeuge ihm diesen gegeben habe, ließ sich nicht vollends beantworten – was für die mögliche Feststellung eines Delikts nicht unerheblich ist.

Nach Eintreffen der Polizei eskaliert die Lage

Nachdem das Opfer an dem Abend die Polizei hinzugerufen hatte, eskalierte die Lage: Der Angeklagte verweigerte jede Zusammenarbeit. Ein Polizeibeamter beschrieb ihn als „hochgradig aggressiv“. Mit einem Sprung samt Tritt in die Luft versuchte er, die Polizisten einzuschüchtern. Zudem deutete er an, ein Maschinengewehr auf die Beamten zu richten und ahmte verbal Schussgeräusche nach. Am Ende lief er davon, wobei er von den Beamten festgehalten und später auf die Wache gebracht wurde. Auf dem Weg dahin und auf der Wache beleidigte er die Polizisten aufs Übelste, nannte sie etwa „Nazischweine“. Einer von ihnen stellte Strafantrag wegen Beamtenbeleidigung.

Weitere Tat dürfte weit schwerer wiegen

Den Diebstahl und den Schlag stritt der 22-Jährige ab, räumte aber die Beleidigungen ein, wofür er sich entschuldigte. Weit schwerer als diese Taten dürfte eine weitere wiegen: Im Mai 2017 soll er eine Freundin im betrunkenen Zustand festgehalten, gewürgt und mit seinem Gürtel geschlagen haben. Mehr Angaben als die des Polizisten, der die Anzeige aufgenommen hatte, gab es vorerst nicht. Der Angeklagte äußerte sich nicht. Beide Verfahren hat das Gericht verbunden und will am 20. Juni weiterverhandeln.