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Immer positiv eingestellt Delmenhorsterin Irmgard Geyer feiert 100. Geburtstag

Von Dirk Hamm | 02.11.2015, 15:13 Uhr

Die Jubilarin hat über alle Schicksalsschläge hinweg immer positiv gedacht: Irmgard Geyer hat am Montag ihren 100. Geburtstag gefeiert.

Mit dem Laufen will es nicht mehr klappen bei Irmgard Geyer, doch mit wachem Auge verfolgt die Bewohnerin des Rote-Kreuz-Stifts an der Deichhorster Straße, was um sie herum geschieht. Und das war am Montag eine Menge: Die Delmenhorsterin freute sich über viele Glückwünsche zu ihrem 100. Geburtstag. Ehrenratsfrau Käthe Stüve überbrachte die besten Wünsche der Stadt samt einem Strauß Anthurien.

Immer positiv eingestellt

Viele Worte machte die Jubilarin um ihren außergewöhnlichen Ehrentag nicht. Die Frage nach einem besonderen Rezept für die Vollendung des Jahrhunderts beantwortete sie kurz und bündig mit „nein“. Doch Heio Wernicke weiß, was seiner Schwiegermutter in all den Jahren zugutegekommen ist: „Sie hatte immer eine positive Lebenseinstellung.“

Viele Schicksalsschläge weggesteckt

Mit ihrer Unerschütterlichkeit hat Irmgard Geyer, die 2006 nach Delmenhorst kam, mehrere Schicksalsschläge weggesteckt und sich von gesundheitlichen Rückschlägen, die das hohe Alter mit sich bringt, wieder erholt. Kurz vor Kriegsende verlor ihre Mutter bei einem Artilleriebeschuss der Alliierten beide Arme und war nun auf die Hilfe der Tochter angewiesen. Zwei Jahre zuvor war ihr jüngerer Bruder bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Irmgard Geyer selbst sorgte sich um ihren Ehemann Alfred, der bei der Marine-Flak auf Langeoog eingesetzt war. Ein dickes Bündel Briefe ihres Mannes aus den Kriegsjahren weckt immer wieder alte Erinnerungen, wenn Tochter und Schwiegersohn daraus vorlesen. „Schade, dass meine Mutter ihre Briefe vernichtet hat, das wären schöne Zeitdokumente“, sagt Edda Wernicke, die jüngere Tochter.

Hochzeit mit 21

Zwar kam ihr Alfred wohlbehalten aus dem Krieg zurück, doch war Irmgard Geyer erst 49 Jahre alt, als sie 1964 Witwe wurde – ein weiterer Schicksalsschlag, den sie wegstecken musste. Kennengelernt hatten sich die gebürtige Rüstringerin (heute Teil Wilhelmshavens) und der aus Hessen stammende Marinesoldat bei einem Ball. 1936 – Irmgard war da 21 Jahre alt – wurde geheiratet. Noch vor Tochter Edda wurde Inge geboren.

Nach dem Krieg war ein kleines Häuschen in Bremen-Aumund das Zuhause der 100-Jährigen. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie sich dort allein eingerichtet und sich mit Hingabe ihrem Garten gewidmet. Auch von der Welt hat sie etwas gesehen, die weiteste Reise führte sie in die USA.

Irmgard Geyer freut sich schon auf das Wochenende, wenn dann auch Enkel Cord und zwei Urenkel zum Geburtstagsbesuch kommen.