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In der Stadtkirche Diskussion über Flüchtlinge in Delmenhorst

Von Lennart Bonk | 18.03.2016, 17:11 Uhr

„Wir wollen Argumente austauschen und ins Gespräch kommen.“ Mit diesen Worten eröffnete der Heilig-Geist-Kirchen-Pastor Enno Konukiewitz in seiner Funktion als Moderator die Diskussionsveranstaltung des Breiten Bündnisses gegen Rechts mit den selbsternannten „besorgten Bürgern“ am vergangenen Donnerstagabend in der Stadtkirche.

Über 100 Besucher verfolgten die Diskussionsrunde, die auf die Versammlung vom 28. Februar auf dem Marktplatz zurückgeht, bei der die „besorgten Bürger“ ihren Unmut über der Flüchtlingspolitik zum Ausdruck bringen wollten.

In Form einer Podiumsdiskussion sollten Argumente ausgetauscht werden. Das Breite Bündnis gegen Rechts wurde durch die Sprecherratsmitglieder Dr. Christian Glaß und Yadigar Polat vertreten. Für die „besorgten Bürger“ sprachen Alexander Pfeifer sowie Dimitri Zajzew. Jedoch kam ein konstruktives Gespräch kaum zu Stande. So beteuerten Pfeifer und Zajzew, dass ihre Bewegung nicht zum politisch rechten Flügel gehöre und dass der Inhalt des Flugblattes fälschlicherweise als rechts interpretiert wurde. Auf der Gegenseite zählten Glaß und Polat zahlreiche fremdenfeindliche Parolen auf, die sie während der Versammlung auf dem Marktplatz von den „besorgten Bürgern“ hörten. „Wir waren von den Aussagen über Flüchtlinge schockiert und möchten verstehen, was die ‚besorgten Bürger‘ ausmacht“, sagte Polat.

So würde sich die angsterfüllte Gruppierung um die vermeintlich zunehmende Kriminalität durch Flüchtlinge sorgen. Auch Glaß‘ Verweis auf die letztjährige Kriminalstatistik des Bundeslandes Niedersachsen, die diese Behauptung widerlegt, würde nichts an dem subjektiven Empfinden der „besorgten Bürger“ ändern.

Als Konukiewitz das Podium für Fragen aus dem Publikum öffnete, geriet die Diskussion zunehmend außer Kontrolle. Es entwickelte sich eine angeheizte Atmosphäre und die Sachlichkeit bei der Argumentation sowie der Respekt für den Gesprächspartner gingen auf beiden Seiten oftmals verloren.

Ein älterer Herr aus dem Publikum erkannte dabei das Kernproblem der Debatte. „Zorn lässt keine Diskussion zu. Nur eine Debatte ohne Hass würde uns weiterbringen“, sagte der sichtlich enttäuschte Redner aus dem Publikum. Nach zwei Stunden beendete der Moderator die Veranstaltung. Beide Seiten signalisierten Interesse an einer weiteren Diskussion im kleineren Kreise. „Es gibt keine Alternative als das Gespräch“, sagte Konukiewitz abschließend.