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Industriemuseum Delmenhorst Sonderausstellung widmet sich erster Nachkriegszeit

Von Jasmin Johannsen | 26.11.2018, 07:22 Uhr

Auch in Delmenhorst war die Zukunft nach dem Ersten Weltkrieg unsicher. Eine Sonderausstellung im Industriemuseum widmet sich noch bis zum 31. März 2019 diesen turbulenten Zeiten.

Unruhige Zeiten warteten nach dem Ende des Ersten Weltkriegs auf die deutsche Bevölkerung. Revolution, politische Kämpfe und nicht selten Straßenschlachten waren beinahe an der Tagesordnung. Dass da auch das „beschauliche Delmenhorst“ keine Ausnahme bildete, zeigte sich gestern Vormittag im Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur.

70 Zuhörer zeigen Interesse

Eröffnet wurde zum einen die Sonderausstellung „Delmenhorst nach dem Ersten Weltkrieg“. Zum anderen hatte Sönke Ehmen, Mitglied des Förderkreises des Industriemuseums, auch einen Vortrag für die Reihe „Delmenhorster Lieblingsobjekte“ vorbereitet. Ein geschichtliches Doppelpack, das bei den rund 70 Besuchern sichtlich auf Interesse stieß.

Krieg hat auch positive Aspekte gebracht

„Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg und die Jahre danach verblassen immer mehr“, stellte Friedrich Hübner, Vorsitzender des Delmenhorster Heimatvereins, fest. Dabei hätte die Revolution im Jahr 1918 viele heutige Selbstverständlichkeiten erst ermöglicht. „Dazu gehören auch das Frauenwahlrecht oder Arbeitnehmerrechte.“ Umso mehr freue er sich, dass die Ausstellung in der Turbinenhalle nun an diese ereignisreichen Zeiten erinnere.

Große Herausforderungen

Gleichwohl habe der politische Umsturz natürlich auch große Herausforderungen mit sich gebracht, die sich im Besonderen auf Delmenhorst auswirkten. Schließlich sei die Stadt einst der größte Industriestandort im Großherzogtum Oldenburg gewesen.

Auf ganz andere Herausforderungen – nämlich wissenschaftliche – stieß Museumsleiter Carsten Jöhnk bei seinen Recherchen zum Thema. „Es sind kaum Fotografien zur Revolution in Delmenhorst zu finden“, erklärte er dem Publikum. Stattdessen stammen die meisten Quellen nun aus den Zeitungen der Stadt und der Umgebung. Trotzdem ist es gelungen, die Ausstellung realitätsnah zu gestalten. Vor allem das Nagelwappen beeindruckte die Besucher. „Damals konnte man einen Nagel erwerben und ihn in das Delmenhorster Wappen schlagen. So wurde der Krieg ein Stück weit durch Spenden mitfinanziert“, bemerkte Jöhnk.

Vortrag zum Aufstand der Spartakisten

Über die „Dramatischen Tage in Delmenhorst“, die sich nach dem Krieg ereigneten, berichtete Ehmen in seinem gleichnamigen Vortrag. Gerade weil in Delmenhorst so viele Arbeiter lebten, hätten die Spartakisten die Stadt als einen perfekten Standort im Nordwesten für eine Gegenrevolution betrachtet. „Die meisten Delmenhorster waren allerdings nicht revolutionär oder radikal eingestellt“, wusste Ehmen. Anhand von Zeitzeugenberichten stellte Ehmen die Ereignisse im Januar 1919 aus zwei verschiedenen Blickwinkeln dar. Sehr zur Freude der Besucherinnen und Besucher, bei denen das Thema auch nach Vortragsende noch für Diskussionsstoff sorgte.

Bis zum März geöffnet

Die Ausstellung „Delmenhorst nach dem Ersten Weltkrieg“ ist Teil des Netzwerkprojekts „1918/19 – Revolution im Nordwesten“ der Oldenburgischen Landschaft und kann noch bis Sonntag, 31. März 2019, immer dienstags bis freitags und sonntags von 10 bis 17 Uhr besucht werden.