Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Infostände in der Markthalle Delmenhorster Selbsthilfetag nutzt Markttag

Von Mareike Bader | 02.06.2018, 15:26 Uhr

Problemen gehen die meisten Menschen gern aus dem Weg. Zum 15. Mal präsentieren sich verschiedene Gruppen beim Delmenhorster Selbsthilfetag und gehen damit auf die Passanten zu.

Mit dem Thema Selbsthilfegruppen gehen die meisten Menschen sehr zurückhaltend um. Die Passanten seien zwar neugierig, halten aber Abstand, berichtet Ursel Bornemann, Mitinitiatorin von „Die Kette“. Etwa 50 Mitglieder umfasst der Verein für psychisch Kranke und ihre Angehörigen und Freunde. „Je öfter man darüber reden kann, desto besser ist es zu ertragen“, weiß Bornemann, selbst Angehörige.

In der Markthalle zeigen 22 Stände am Samstag von 10 bis 15 Uhr, wie vielfältig das Angebot an Selbsthilfegruppen in Delmenhorst ist. Ob Integration, Psyche, Krankheiten oder der Umgang damit – in den Gruppen geht es um alles was das Leben auf den Kopf stellt. „Es sucht sich keiner seine Krankheit aus“, betont Bornemann.

Besucher vom Wochenmarkt besuchen Selbsthilfetag in der Markthalle

Dabei nutzen die Veranstalter vom Arbeitskreis Delmenhorster Selbsthilfegruppen (ADS) und der Selbsthilfe-Kontaktstelle im Fachdienst Gesundheit der Stadt den samstäglichen Markttag. „Da ist immer was los in der Stadt“, sagt Ulrich Gödel, Koordinator in der Kontaktstelle. Selbsthilfe ist wichtig, wird inzwischen auch von den Krankenkassen gefördert. Aber der Weg in die Öffentlichkeit ist schwierig. „Selbsthilfe ist negativ belastet, weil es mit Problemen zu tun hat“, erklärt Renate Muhs vom ADS. Der VdK nimmt den Besuchern die Hürde und lockt mit einem Gewinnspiel.

Der Selbsthilfetag ist auch in der 15. Auflage wichtig, um zu informieren. Nur wenige Gruppen haben einen Internetauftritt, die Hauptinformationsquelle ist das Heft „Blitzlicht“, das bei der Selbsthilfe-Kontaktstelle der Stadt ausliegt. Rund um in der Markthalle stehen die Mitglieder der verschiedenen Selbsthilfegruppen für ein kleines Gespräch zur Verfügung. „Es ist lebendig und bunt, so wie es die Selbsthilfe ist“, freut sich Gödel über die kreativ gestalteten Tische.

Die Selbsthilfe sei überaltert, gibt Gödel zu. Dem Problem stellt sich die städtische Kontaktstelle mit Gödel und Sophie Kliemisch und dem bundesweiten Dachverband Nakos. Denn junge Menschen – im Alter von 18 bis 35 Jahren – fühlten sich von den aktuellen Angeboten nicht genügend angesprochen.

Schwierige Diagnose

Nicht immer stecken einfache Diagnosen hinter den Krankheiten, etwa beim „Restless Legs Syndrom“. Die entsprechende Selbsthilfegruppe hat sich erst vor einem Jahr gegründet und ist zum ersten Mal beim Selbsthilfetag vertreten. Der Selbsthilfetag sei eine gute Möglichkeit die Krankheit bekannter zu machen und in Gesprächen zu erklären, wie sie entsteht, sagt Arthur Roselius. Denn bei der unheilbaren Krankheit entsteht nicht nur ein Missempfinden in Beinen oder Armen. Die Gliedmaßen können auch jucken, brennen oder gar schmerzen. „Man braucht etwa fünf Jahre, bis man einen Arzt gefunden hat, der einem die Krankheit bestätigen kann“, weiß Roselius aus eigener Erfahrung. Denn die Diagnose ist nicht leicht zu stellen. ( Weiterlesen: Neue Delmenhorster Selbsthilfegruppe für Rastlose)

Auch das Umfeld ist bei schweren, einschneidenden Erkrankungen wichtig. „Alkoholismus ist eine Familienkrankheit“, erklärt Cord von der Al-Anon Familiengruppe für Angehörige und Freunden von Alkoholikern. Diese Gruppe habe bewusst keine Internetseite, denn wie bei den Anonymen Alkolikern legt die Familiengruppe viel Wert auf die Anonymität. Die beiden Gruppen arbeiten eng zusammen, gemeinsame Meetings helfen die unangenehmen Gefühle auszusprechen und anzugehen. Denn oft vergessen sich die Angehörigen vor lauter Sorge um den Erkrankten die eigenen Bedürfnisse.