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Inhaber einer Delmenhorster Firma Huder soll 1,1 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben

Von Ole Rosenbohm | 15.05.2017, 19:20 Uhr

Der Inhaber einer Delmenhorster Firma steht seit Montag vor dem Landgericht Oldenburg vor Gericht. Er soll mit Scheingeschäften Steuern hinterzogen haben.

Bei über einer Million Euro hinterzogener Steuern gibt es nur noch wenige Möglichkeiten, eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung abzuwenden. Die droht nun einem 50-jährigen Huder, der mit seiner Delmenhorster Einzelfirma bis 2013 über zweieinhalb Jahre lang in 27 Fällen Steuern hinterzogen haben soll. Siebenmal davon in „großem Ausmaß“, in diesen Fällen geht es um jeweils über 50.000 Euro hinterzogenen Steuern. Der Schaden für die Finanzbehörden hätte sich auf über 1,1 Millionen Euro summiert, führte der Staatsanwalt am Montag zu Prozessbeginn vor dem Landgericht Oldenburg aus.

Angeklagter soll Rechnungen gefälscht haben

Die Firma des 50-Jährigen verkaufte unter anderem Paletten und Gitterboxen. Immer wieder soll er Paletten „schwarz“ eingekauft und sich gegen Entgelt von einer anderen Firma Rechnungen für diese Einkäufe ausgestellt haben. Diese Scheinrechnungen sollen dann bei der monatlichen Steuerklärung als Betriebsausgaben und vermeintlich berechtigte Vorsteuerbeträge deklariert worden sein. Möglich, dass die letztendliche Summe der hinterzogenen Steuern noch ins Sechsstellige fällt. Denn die Rechtsanwälte des Angeklagten, die Delmenhorster Verteidiger Kai-Uwe Lindenbauer und Axel Heinken, erklärten, dass die Zahlen zwar „erschreckend aber nicht realistisch“ seien. So seien die Einkaufspreise für die schwarz angekauften Paletten nicht berücksichtigt. Erfolgreich erstritten sie ein Sachverständigen-Gutachten, das bestätigen soll, dass Europaletten „mindestens vier bis fünf Euro auf dem Schwarzmarkt“ kosten. Ein erster Schachzug in einem komplizierten Verfahren.

Umfangreicher Fall erfordert neun weitere Verhandlungstage

Der Fall ist so umfangreich, dass das Gericht den Prozessbeteiligten sogenannte „Selbstleseordner“ mit Kopien aller Steuerbescheide und und anderen Unterlagen zur Verfügung stellt, um nicht tagelang mit dem Verlesen der Beweisstücke zu verbrauchen. Weitere neun Termine sind angesetzt. Erst am 20. Juni soll nach diesem Plan ein Urteil gesprochen werden.