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Inklusion in Delmenhorst Nach erstem Erfolg stockt derzeit die Leichte Sprache

Von Kai Hasse | 03.12.2018, 16:50 Uhr

Alle sollen verstehen, was es Neues in der Stadt Delmenhorst gibt. Das gelingt nicht immer – die Texte der Verwaltung sind oft zu kompliziert. Das soll sich zwar ändern, noch leidet das Vorhaben aber an Anlaufschwierigkeiten.

Wer Texte der Stadt – oder gar Beschlussvorlagen des Stadtrates – versucht zu verstehen, scheitert oft an der komplizierten Sprache. Schon vor dreienhalb Jahren gab es den Beschluss des Rates, hier nachzubessern: Wichtige Infos sollen in sogenannter „Leichter Sprache“ veröffentlicht werden. Die Ratsmitglieder Uwe Dähne (Fraktion UWG) und Eva Sassen (Bürgerforum/Freie Wähler/Unger) haben nun nachgehakt, was aus dem Projekt geworden ist. Einen ersten Erfolg gibt es.

Leichte Sprache für Inklusion

Dähne machte klar, dass es zwar auch Aufgabe der Verwaltung sei, sich rechtssicher auszudrücken – was dann zu recht mühsam zu lesenden Texten führt. Aber man solle sich an den Beschluss aus 2015 erinnern und Texte, die öffentlichen Belang haben, auch in Leichter Sprache darstellen. Sassen erklärte, dass die Unverständlichkeit vieler Texte viele Menschen betreffe. Sie verdeutlichte, dass auch im Hinblick auf Inklusion – also das Einbeziehen von Menschen, die die Texte nicht verstehen können – auf Verständlichkeit geachtet werden solle.

Leuchtturmprojekt Rat-Geber

Tatsächlich gab es bereits ein Projekt, bei dem ein wichtiger Punkt des öffentlichen Lebens in Leichter Sprache erklärt wurde: der „Rat-Geber für Familien in Delmenhorst in Leichter Sprache“. Die Stadt bezeichnet den Ratgeber als „Leuchtturmprojekt“. Die Broschüre hält viele Infos bereit über alltägliche Themen, die für Familien wichtig sind – vom Arztbesuch und Schwangerschaft über Migrationsberatung bis zur Hilfe bei Sucht. Gemacht wurde er für Menschen mit Lernschwäche, Leseschwäche oder Migrationshintergrund. Er wurde im Frühjahr 2016 veröffentlicht.

Geld steht im Haushalt bereit

Für das laufende und für das kommende Jahr sind jeweils 10000 Euro für das „Projekt Leichte Sprache“ im Haushalt eingeplant – Geld steht also prinzipiell bereit. Aber: „Bisher ist es aber zugunsten anderer Bildungsthemen, die auch aus diesem Ansatz bedient werden, noch nicht zu weiteren Broschüren gekommen.“ Das sagt Hero Mennebäck, Leiter des Fachbereichs Bildung, Wissenschaft, Sport und Kultur.

Beispiel: Original und Übersetzung in Leichte Sprache

 Original: Leitbild des Entwicklungskonzepts für einen historischen Landschaftspark Wollepark:

 1. Der städtische Naturraum Wollepark ist ein Ort für eine naturschonende Erholungsnutzung verschiedener Nutzergruppen, in dem das Erleben und die zeitgemäße Vermittlunge von kulturhistorischen und naturbezohenenen Freiraumqualitäten im Vordergrund steht.

 2. Die weitere Entwicklung des städtischen Naturraums Wollepark ist auf den Erhalt und die Stärkung des wertbestimmenden Baumbestandes sowie der vorhandenen kulturhistorischen und natürlichen Qualitäten auszurichten.

 3. Bei allen zukünftigen Planungen oder Umgestaltungen ist zu überprüfen, ob diese dem Erhalt und der Weiterentwicklung der bestehenden Freiraumqualitäten dienlich sind.

 „Leichte Sprache“ könnte, beispielsweise für Menschen mit geistiger Behinderung, so aussehen (übersetzt von der Delmenhorster freien Lektorin Ruth Vachek, die wissenschaftlich zum Thema Leichte Sprache gearbeitet hat):

 1. In der Stadt Delmenhorst gibt es einen Park. Der Park liegt im Stadtteil Wollepark.In dem Park gibt es Bäume, Büsche, Wiesen und einen See. Der Park ist für alle Menschen da. Die Menschen können sich im Park erholen. Sich erholen heißt, dass man sich ausruht. Zum Beispiel kann man sich auf eine Bank setzen. Die Menschen sollen in dem Park viel Platz in der Natur haben. Die Natur heißt die Pflanzen und die Tiere. Die Menschen sollen die Natur im Park nicht kaputt machen. Die Menschen sollen zum Beispiel nicht Müll in den Park schmeißen. Die Menschen sollen im Park auch etwas lernen. Sie sollen lernen, wie der Park früher aussah.

 2. Die Regierung der Stadt Delmenhorst heißt Stadtrat. Der Stadtrat will manchmal etwas im Park neu machen. Wenn der Stadtrat etwas im Park neu machen will, soll der Stadtrat dabei die Bäume nicht kaputt machen. Die Bäume sind nämlich wertvoll für den Park. Der Park ist schon alt. Man kann immer noch sehen, wie der Park früher aussah. Das heißt, man kann im Park lernen, wie die Menschen in der Stadt Delmenhorst früher gelebt haben. Der Stadtrat soll deshalb nicht alles am Park neu machen. Man soll hinterher immer noch sehen können, wie der Park früher aussah.

 3. Vielleicht will später jemand etwas im Park neu machen. Das geht nur, wenn die Menschen sich im Park dann immer noch erholen können. Oder wenn sie sich dann noch besser erholen können.