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Inklusion vorantreiben Delme-Werkstätten feiern ihr 40-jähriges Bestehen

Von Alexander Schnackenburg | 11.06.2015, 19:51 Uhr

Sozialministerin Cornelia Rundt hat den Delme-Werkstätten zu ihrem 40. Geburtstag Unterstützung auf Bundesebene zugesichert. Gleichzeitig räumte sie ein, dass Niedersachsen vielen Werkstätten Geld schuldet.

Festliche Stimmung mit viel Musik, zahlreiche Grußworte, ein Film zum Geburtstag, aber auch kritische Worte der niedersächsischen Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Cornelia Rundt (SPD): Der Festakt zum 40-jährigen Bestehen der Delme-Werkstätten im Weyher Theater hätte kaum abwechslungsreicher ausfallen können.

Kritik an der Regierung

Wobei sich die Kritik der Ministerin nicht etwa an die Werkstätten richtete, sondern viel mehr an die Bundesregierung: Rundt beklagte, dass sich der Bund von der Einführung eines Bundesteilhabegeldes verabschiedet habe. Die Länder stünden somit allein da in ihrem Bestreben, Institutionen wie die Werkstätten mit öffentlichen Mitteln zu fördern. Zwar sicherte die Ministerin den Delme-Werkstätten zu, dass Niedersachsen nicht bei den Eingliederungshilfen sparen werde. Auch kämen weitere Nullrunden für sie „nicht in Frage“. Gleichzeitig räumte Rundt ein, dass es schon heute „Vereinbarungsrückstände“ gäbe, etwa 40 der 70 niedersächsischen Werkstätten Investitionen auf die lange Bank hätten schieben müssen, weil das Geld aus Hannover nicht geflossen ist. Rundt versprach, sich auf Bundesebene für zusätzliche Mittel stark zu machen, die in die Inklusion Schwerbehinderter fließen sollen.

Neuer Werbefilm

Dass die Delme-Werkstätten um Geschäftsführerin Nahik Chirazi ihrerseits nicht müde werden, auf charmante Weise für ihre zahlreichen Arbeiten und Dienstleistungen zu werben, erfuhr das Publikum anschließend in Gestalt eines neuen Werbefilms, den die Delme produziert hat. Das Credo des Films, der einzelne Leistungen von den Küchen über die Wäschereien bis hin zu den Montage-Betrieben der Werkstätten zeigt, lautet schlicht: „Jeder Mensch ist entwicklungsfähig; jeder kann lernen, der eine mehr, der andere weniger.“ Die berufliche Bildung und – allgemein – das Fördern von Entwicklungspotenzialen des Einzelnen sind über die Jahrzehnte immer stärker in den Fokus der Werkstätten mit ihren 1.650 Mitarbeitern gerückt.

Wie wichtig, gerade für die Inklusion, die „Kreativität der Masse“ sein kann, erläuterte schließlich Moderator Nils Bäumer am Beispiel von Science Fiction-Filmen: In diesen sehe man häufig Gebrauchsgegenstände, die erst Jahrzehnte später tatsächlich als marktgängige Produkte wiederkehren – weil ihre Erfinder sie frei von Schubladendenken erschaffen hätten.