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Integration in Delmenhorst Zukunft von Berufsberatungsstelle noch immer auf der Kippe

Von Frederik Grabbe | 14.12.2018, 19:12 Uhr

Die Zukunft der Berufsberatungsstelle Kausa für junge Migranten und Geflüchtete steht noch immer auf der Kippe. Kausa erhält unterdessen eine Welle des Zuspruchs. Der Rat könnte die Beratungsstelle in letzter Minute retten.

Die Verantwortlichen hinter der Berufsberatungsstelle Kausa für junge Migranten und Geflüchtete gehen noch immer von einem Ende ihrer Beratungstätigkeit aus. Das ist am Freitag bei einem Treffen der Kausa-Servicestelle in der Volkshochschule (VHS) deutlich geworden. Wie berichtet, ist Kausa eines der Projekte, für die die zeitlich begrenzte Förderung zum Jahresende ausläuft. Das Signal von Stadt und Politik, die Hilfen für zunächst ein Jahr aufrecht erhalten zu wollen, hat bei den Mitarbeitern keine Erleichterung hervorgerufen.

Nachfolgeantrag für das Förderprogramm wurde abgelehnt

Wie Martin Westphal, Leiter der VHS, bei dem Treffen mitteilte, ist ein Nachfolgeantrag zum Fördergeld nicht genehmigt worden. Das Verfahren ist kompliziert: Die Kausa-Servicestelle ist bei der VHS angesiedelt. Das Projekt selbst wird vom Bildungsministerium des Bundes und vom Europäischen Sozialfonds gefördert. Über den Förderantrag entscheidet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Von dort heißt es auf Nachfrage, dass keine Angabe zu den Fördergeldern gemacht werden könne, weil ein Widerspruchsverfahren eingeleitet wurde, sagte eine Sprecherin.

Schwerpunkt der Förderung wurde geändert

Hintergrund der Ablehnung ist eine Änderung des prioritären Ziels der Förderung des Kausa-Programms durch das BIBB: Vom Schwerpunkt der Beratung für junge Migranten und Geflüchtete hin zu einem Beratungsfokus auf selbstständige Migranten, war von VHS-Chef Westphal und vom BIBB zu erfahren. Laut der BIPP-Sprecherin legt das Bundesbildungsministerium die Förderschwerpunkte fest, die ihr Haus unterstützt. Ein entsprechender Neuantrag der Delmenhorster VHS ist nun – wegen des Widerspruchverfahrens unter Vorbehalt – gescheitert.

Breite Front unterstützt Kausa

Laut der kommissarischen Leiterin von Kausa, Serap Oflazoglu, beläuft sich das jährliche Budget der Beratungsstelle auf 200.000 Euro. Und dass ihre Arbeit erfolgreich war, unterstrichen am Freitag ebenfalls Vertreter der Kreishandwerkerschaft, der Oldenburgischen Handwerkskammer, der Industrie- und Handelskammer, des Landeskultusministeriums und der Ausbildungsinitiative ZWAIG. Im Vorfeld hatte sich sogar Polizeichef Jörn Stilke gegen Mittelkürzungen in der Integrationsarbeit ausgesprochen und in der Folge indirekt vor einer möglichen, ansteigenden Kriminalität gewarnt.

Vielfältiges Engagement der Beratungsstelle

Um diese Welle an Zuspruch zu verstehen, lohnt ein Blick auf die praktischen Arbeitsfelder von Kausa: Seit 2015 vermittelt Kausa nicht nur jungen Migranten und Geflüchteten Ausbildungsstellen oder Praktika, sie informiert Eltern über die Möglichkeiten des Ausbildungsmarkts und berät auch Selbstständige mit Migrationshintergrund. Auch mit ansässigen Unternehmen in der Region steht Kausa in Kontakt und fungiert als Türöffner, sie mehrt also die Bereitschaft, junge Zuwanderer einzustellen. Hunderte Unternehmen und junge Menschen wurden so erreicht. 82 Ausbildungen und Praktika wurden konkret vermittelt.

Kausa will Teilbereich ihrer Arbeit an Nachfolger übergeben

Damit diese Arbeit nicht vollends einschläft, hat Oflazoglu mit ihrem Team in einigen Teilbereichen eine Nachfolgeregelung erarbeitet: So soll zum Beispiel das Azubi-Speeddating, der Azubi-Knigge oder Aktionstag Ausbildung von anderen Partnern weiter getragen werden.

Kurzfristige Projekte verdrängen die Mitarbeiter

Nun ist es wahrscheinlich, dass der Rat der Stadt Delmenhorst am Mittwoch, 19. Dezember, die Kausa-Servicestelle zumindest für ein Jahr retten könnte. Das deutete sich zuletzt im Sozial- und danach im Verwaltungsausschuss an. Das nennt Oflazoglu zwar „erfreulich“, jedoch hätten einige Mitarbeiter längst langfristige Jobs angetreten, die nicht von kurzfristigen Förderzeiträumen abhängig sind. „Allein in den vier Jahren gab es insgesamt vier Projektleiter“, nannte sie als Beispiel. Die Frage, ob man Kausa denn ab 1. Januar 2019 zunächst für ein Jahr weiterführen könnte, sollte der Rat nächste Woche ihren Fortbestand sichern, konnte Oflazoglu nicht beantworten. „Das kommt auf die Perspektive der einzelnen Mitarbeiter an.“