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Integrationslotsen in Delmenhorst Schlimme Geschichten gehören dazu

Von Thomas Breuer | 07.06.2015, 19:14 Uhr

Für andere da sein, die aus der Fremde oft unfreiwillig und ohne Deutschkenntnisse nach Delmenhorst kommen – das nehmen etliche Delmenhorster in ihrer Freizeit auf sich.

„Faszinierende und schlimme Geschichten“, sagt Fatima Hazime, habe sie schon gehört. Etwa die von dem Flüchtling, dessen Bruder erschossen wurde. Oder die von der Frau, die über das Meer nach Europa kam und unterwegs ihren Sohn verlor. Was es heißt, als Flüchtling nach Deutschland zu kommen , weiß die 23-Jährige aus dem eigenen familiären Umfeld. Ihre Eltern haben vor vielen Jahren selbst die Heimat verlassen, um dem Bürgerkrieg im Libanon zu entkommen.

Ehrenamtliche Arbeit

Fatima Hazime ist ehrenamtliche Integrationslotsin. Das hat sie jetzt schriftlich. Am vergangenen Freitag bekam sie zusammen mit 14 weiteren Absolventen eines 50-stündigen Basislehrgangs in der Volkshochschule (VHS) das entsprechende Zertifikat ausgehändigt. Was sie im Ehrenamt über Begleitungen zu Ämtern, Psychologen oder Ärzten hinaus erwartet, weiß die junge Frau schon besser als manch anderer Kursteilnehmer.

Arabische Sprachkenntnisse sind gefragt

Die Delmenhorsterin, in Stade geboren und seit 1996 hier zu Hause, absolviert in Vechta den Bachelor-Studiengang Dienstleistungsmanagement mit dem Schwerpunkt Soziale Arbeit. Dazu gehört ein zehnwöchiges Praktikum, das sie bei der Diakonie in Delmenhorst ableistete. „Damals bin ich mit dem Integrationslotsenteam in Berührung gekommen“, sagt Fatima Hazime. Und sie ist dabei geblieben. Hat mit anderen fremde Neuankömmlinge betreut und begleitet und sich dabei aufgrund ihrer arabischen Sprachkenntnisse mitunter unentbehrlich gemacht.

Bis zu 20 Stunden in der Woche

15 bis 20 Stunden pro Woche hat Fatima Hazime von ihrer Freizeit in manchen Wochen gegeben. „Zuletzt ist es weniger gewesen, weil ich Zeit für meine Bachelorarbeit brauchte“, sagt sie. Aber wo sie kann, da setzt sie sich ein.

Andere Menschen, die mit ihren faszinierenden, aber auch schlimmen Geschichten nach Delmenhorst kommen, wissen das und schätzen ihre Unterstützung. „Meine Telefonnummer ist schon öfter weitergegeben worden“, sagt Fatima Hazime. „Das ist okay.“ Nur nach 22 Uhr, da möchte sie nicht mehr angerufen werden, da müssen die Anliegen bis zum nächsten Tag Zeit haben.

70 Integrationslotsen stehen bereit

Mit den anderen Absolventen des insgesamt sechsten Integrationslotsenkurses hat die Delmenhorsterin mit den libanesischen Wurzeln in der VHS noch ein bisschen gefeiert. Unterstützung werden alle auch künftig bekommen – von der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe sowie der Migrationserstberatung in der Stadt. Denn sie sollen der Flüchtlingssoziarbeit lange erhalten bleiben, die nunmehr 70 zertifizierten Delmenhorster Integrationslotsen.