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Interventionsprojekt sucht Raum Gruppe für Gewalttäter in Delmenhorst im Aufbau

Von Sonia Voigt | 17.08.2016, 09:44 Uhr

Sie haben ihre Frau bedroht oder ihre Freundin krankenhausreif geschlagen: Mit 58 Männern, neun davon Delmenhorster, hat das Oldenburger Interventionsprojekt 2015 gearbeitet. In 26 intensiven Gruppensitzungen lernen sie, mit Aggressionen angemessen umzugehen.

Mal ist es die Angst in den Augen des eigenen Kindes, mal ist es die Partnerin, die mit Trennung droht, und manchmal ist es erst eine Gerichtszuweisung, die gewalttätige Männer in die Gruppen des Oldenburger Interventionsprojekts Olip bringt. Mit vier Delmenhorster Männern, die bisher in der Oldenburger Tätergruppe an sich arbeiten, will das Olip-Team eine eigene Gruppe in Delmenhorst aufbauen. „Niedrige Schwellen und kurze Wege sind wichtig für unsere Arbeit“, erklärt Sozialpädagogin Daniela Hirt. Sie betont: „Wir könnten direkt loslegen.“ Nur ein Raum, der mittwoch- oder donnerstagnachmittags von 16.15 bis 18.45 Uhr für die fünf- bis zehnköpfige Gruppe frei wäre, fehlt noch.

„Selbstmelder“ ebenso wie verurteilte Gewalttäter vertreten

Die Vorgeschichten der Männer im Alter zwischen 20 und 70 Jahren sind so verschieden wie das Berufsspektrum, das von der Führungskraft über den Hilfsarbeiter bis zum Erwerbslosen reicht. Derjenige, der sich selbst meldet, weil seine langjährig verbal bedrängte Ehefrau ausziehen will, ist genauso vertreten, wie der verurteilte Gewalttäter, der seine Freundin mit dem Messer verletzt oder krankenhausreif geschlagen hat. „Damit eine erfolgreiche Arbeit möglich ist, ist zumindest eine minimale Problemeinsicht erforderlich“, erläutert die als Trainerin in der Täterarbeit ausgebildete Daniela Hirt die Voraussetzungen, „außerdem darf eine Sucht- oder psychische Erkrankung nicht deutlich im Vordergrund stehen“. In diesen Fällen müsse ein Entzug oder eine psychologische Behandlung vorausgehen.

In der Gruppe gelten strenge Regeln

Denn in den 26 Gruppensitzungen gelten strenge Regeln, aktive Mitarbeit ist gefordert, unentschuldigtes Fehlen führt zum Ausschluss – und das kann in den Zuweisungsfällen bedeuten, dass die vom Gericht alternativ angedrohte Strafe greift. Die Beratung beginnt mit ein bis zwei Einzelgesprächen, 25 bis 30 Prozent der Täter werden dann im Schnitt in die Gruppe aufgenommen. „Hier müssen sie konkret benennen, was in der Familie passiert ist“, beschreibt Daniela Hirt den Beginn der Arbeit. Dabei kochen die Emotionen auch mal hoch, es fließen Tränen oder einer wird laut. „Wir begrüßen es, wenn die Männer ihre Meinung sagen. Sie müssen lernen, sich angemessen auseinanderzusetzen“, ergänzt die auch als Familientherapeutin ausgebildete Daniela Hirt. In Modulen geht es um Gewalt, Kommunikation, Gefühle, Partnerschaft und Geschlechterrollen. „Die Männer bekommen Hausaufgaben, zum Beispiel Gespräche mit der Partnerin“, sagt Hirt. Auf Wunsch werden die Frauen in die Arbeit einbezogen.

Gruppenarbeit zeigt gute Erfolge

58 Männer hat das bald vierköpfige Olip-Team im Jahr 2015 begleitet, neun davon kamen aus Delmenhorst, acht aus dem Landkreis Oldenburg. Die Einrichtung kooperiert mit der Stadt Delmenhorst, ihrer Gleichstellungsbeauftragten und dem Jugendamt sowie mit Beratungsstellen, mit der örtlichen Polizeiinspektion gibt es seit 2014 einen Kooperationsvertrag. Die Rückmeldungen über den Erfolg der Gruppenarbeit seien gut, für die Bundesarbeitsgemeinschaft Häusliche Gewalt , nach deren Standards Olip arbeitet, ist das auch statistisch belegt. Die Einsicht, dass Täterarbeit wichtig ist, wachse, sagt Hirt: „Durch unsere Arbeit betreiben wir ja letztlich auch Opferschutz.“