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„Inzwischen praktisch unbewohnt“ Stadt Delmenhorst macht Problemhäuser am Wollepark dicht

Von Thomas Breuer | 30.10.2017, 13:51 Uhr

Die Stadt Delmenhorst macht ihre Ankündigung wahr und lässt die Hochhäuser „Am Wollepark“ 11 und 12 am Mittwoch, 1. November, verschließen.

Das Elend hat ein vorläufiges Ende. Am Mittwoch, 1. November, werden die seit Monaten von der Gas- und Wasserversorgung getrennten Hochhäuser „Am Wollepark“ 11 und 12 verschlossen, weil sie als nicht mehr bewohnbar gelten. Die Stadtverwaltung, die damit eine zum Tage greifende Räumungsverfügung durchsetzt, geht laut Stadtsprecher Timo Frers nicht davon aus, dass es zu Zwangsräumungen einzelner Wohnungen kommen wird. Die Häuser sind nach seinen Worten „inzwischen praktisch unbewohnt“. Vor einer Woche war noch von etwa 30 Bewohnern die Rede.

Der Leerstand soll am Mittwoch von städtischen Mitarbeitern kontrolliert werden. Auch Oberbürgermeister Axel Jahnz, der das Vorgehen mit Nachdruck betrieben hatte, hat sein Erscheinen angekündigt.

Gas- und Wasserschulden als Ausgangspunkt

Ausgangspunkt des Konflikts um die Wohnblöcke, der Delmenhorst bundesweit in die Schlagzeilen gebracht hatte, waren Gas- und Wasserschulden der Eigentümer gegenüber den Stadtwerken. Aktuell werden diese noch mit 110.000 Euro beziffert.

Die Verhältnisse sind laut Stadtverwaltung kompliziert. Die 80 Wohnungen in den beiden Gebäuden, in denen vor Monaten noch bis zu 350 Menschen lebten, gehören demnach rund 50 Eigentümern. Sie seien teilweise nur schwer ausfindig zu machen, weil sie ihre Namen geändert haben oder ins Ausland verzogen sind.

Nachdem eine Verwaltung als Ansprechpartner über mehrere Wochen nicht mehr gegeben war, liegt die Verantwortung seit Mitte September in den Händen des Bremer Immobilienmaklers Matthias Volkmer, der selbst eine Wollepark-Wohnung besitzt.

Buchführung laut neuem Verwalter seit 2015 problematisch

Nach Volkmers Worten hat es seit 2015 keine ordentliche Buchführung mehr gegeben. Zur Not will er die Schuldner unter den Eigentümern gerichtlich in die Pflicht nehmen lassen. Einen Abriss der Gebäude, den die Stadt favorisiert, will der Verwalter vermeiden, die Gebäude stattdessen lieber sanieren und dafür auch eine Zeit lang leer stehen lassen.

Ein Gespräch zwischen Stadt und Verwalter hatte es am 28. September gegeben. Die Stadt hatte angeboten, die Häuser zum durchschnittlichen Verkehrswert von 5700 Euro pro Wohnung anzukaufen. Die war als inakzeptabel abgelehnt worden.

Wohl ein Wiedersehen vor Gericht

Weil die Stadt eine Firma beauftragt hatte, um Sperrmüll aus den Treppenhäusern zu beseitigen, und für eine ebenfalls von ihr initiierte Brandwache inzwischen 170.000 Euro aufgelaufen sind, werden sich beide Seiten wohl auch noch vor Gericht wiedersehen. Denn die Kosten für die Brandwache hält Volkmer für „völlig überzogen“.