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„Irgendwie fehlt immer was“ Einkauf in (fast) letzter Minute

Von Frederik Grabbe | 23.12.2014, 16:00 Uhr

 Morgen ist Weihnachten. In einigen Fachgeschäften der City zieht der Kundenstrom deutlich an. Doch ist der Last-Minute-Kauf zum Fest ein Stressfaktor? Oder lassen es die Menschen vor Ort trotzdem eher ruhig angehen?

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür: Heute und morgen ist die letzte Gelegenheit für den Geschenkekauf. Auch Onlineaffine kommen aufgrund der Lieferzeiten nicht umhin, die Füße vor die Tür – und in den Regen – zu setzen. Das dk hat sich umgehört, wie die Menschen vor Ort mit Last-Minute-Käufen umgehen. Ist der Konsum vorm Fest ein Zwang? Oder geht man freudig-entspannt voran? Ein Fazit vorweg: Aus der Ruhe bringen lassen sich die nach Geschenken Pirschenden nicht.

Vermiesten dicke Regentropfen am Wochenende die Einkaufslaune potenzieller Schenker, waren Schauer allerspätestens seit gestern kein Argument mehr. Meist mit Schirmen bewehrt wurden die nötigen Einkäufe angegangen. Teilweise ließen sie sich gar nicht mehr aufschieben. „Aus beruflichen Gründen habe ich gar nicht die Zeit, schon Wochen vor Weihnachten durch die Läden zu irren“, sagte Dietrich Wagner (64) aus Ganderkesee. „Ich kaufe in der Regel zwei bis drei Tage vorher ein. Aber: Ich weiß was ich will. Stress kommt darum nicht auf.“ Ähnlich geht es Ina Schulz (46) aus Harpstedt: Zeit ist Mangelware für die berufstätige Mutter von drei Kindern. Sie organisiert Geschenke schon im November. „Das ist auch nötig. Sonst wird der Stress zu groß. Je älter die Kinder werden, desto kleiner, aber auch desto teurer werden die Geschenke: Gutscheine für den App-Store etwa. In diesem Sinne ist der Online-Kauf eine große Hilfe.“

Andere lassen sich gar nicht unter Druck setzen, sich unbedingt beschenken zu müssen. „In der Familie haben wir das Schenken zu Weihnachten eingestellt“, erzählte Heike Wolpmann (57) aus Ganderkesee. „Das größte Geschenk ist, dass die Familie zusammen ist. So kann man angenehm das Jahr Revue passieren lassen.“ Einige Freunde und Pflegekräfte, die im Haus tätig seien, bedenkt sie aber mit Kleinigkeiten.

Auf kurzfristige Kundenwünsche reagieren muss traditionell der Blumenhändler Annemohn an der Kirchstraße. „Viele Kunden scheinen schon gestresst. Davon lassen wir uns nicht anstecken. In der Ruhe liegt die Kraft“, sagte die Floristin Inge Bohmhoff-Wagener. Auch Parfümerien verzeichnen einen Endspurt beim Umsatz, wenn es aufs Weihnachtsfest zugeht. „Die Tage kurz vor Weihnachten machen einen echten Vorteil zum Onlinehandel aus“, bemerkte Filialleiterin Patricia Krüger.

Lange Schlangen an den Kassen waren auch bei den Buchhändlern zu finden: „Das Buch ist ein klassischer Last-Minute-Artikel, den Kunden gezielt nachfragen. Und das hilft uns weiter“, so Ellen Dauelsberg von der gleichnamigen Buchhandlung. Trotz allen Kundentrubels: „Stress lasse ich nicht aufkommen. Im Gegenteil. Ich bin entspannt bei der Arbeit. Schließlich geht‘s ja um Geschenke.“