Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Jahnz greift Hausverwaltung an Stadt schließt Wollepark-Wohnblöcke in Delmenhorst

Von Frederik Grabbe | 01.11.2017, 14:40 Uhr

Oberbürgermeister Axel Jahnz verteidigte die „harte Linie“ der Stadt im Konflikt um die Blöcke „Am Wollepark“ 11 bis 12. Er hält rechtlichen Schritten gegen die neue Hausverwaltung für möglich.

Die Stadt hat die beiden von Gas und Wasser abgeschnittenen Wohnblöcke Am Wollepark 11 und 12 verschlossen. Wie Stadtsprecher Timo Frers mitteilte, waren beide Gebäude bis zum Nachmittag durch Vertreter der Stadt kontrolliert und geschlossen worden. Die Prüfung sei ereignislos verlaufen. 80 Wohnungen sind nun Ende entmietet, die Schlüsselgewalt hat die Hausverwaltung.

Jahnz verteidigt „harte Linie der Stadt“

Oberbürgermeister Axel Jahnz war am Mittag vor ein großes Medienaufgebot getreten und hatte „die harte Linie der Stadt“ in der Sache verteidigt. Die Stadt habe „überhaupt keine andere Wahl“ gehabt, als die Gebäude nach Monaten des Gas- und Wasserstopps, nach unbezahlten Rechnungen in Höhe von 110.000 Euro und nach erheblichen baulichen Mängeln für unbewohnbar zu erklären. Wie die Stadt Delmenhorst in einer Mitteilung bemängelt, gebe es in den beiden Gebäuden etwa keine sicheren Rettungswege, eine Feuerwehrzufahrt oder Feuerwehraufstellflächen seien nicht nutzbar. Derzeit befinden sich 28 ehemalige Bewohner der Blöcke in einer Notunterkunft in der früheren Fröbelschule, seit Bestehen des Gas- und Wasserstopps sind hier 59 Personen untergekommen.

Vorwürfe gegen neue Hausverwaltung

Jahnz griff zudem die neue Hausverwaltung, die vom Bremer Immobilienverwalter Matthias Volkmer vertreten wird, an: Dass die Stadt in den vergangenen 17 Wochen eine Brandwache habe stellen müssen, um anstelle der Hausverwaltung den Brandschutz sicherzustellen, sei „unverfroren“. Schließlich habe es sich hier um Sicherheitsmaßnahmen für Mieter gehandelt. Und dass diese nun nicht einmal die dafür aufgelaufenen Kosten von 170.000 Euro übernehmen wolle, sei „eine Frechheit“. Würden diese Kosten nicht gezahlt werden, sehe man sich vor Gericht wieder. Jahnz unterstrich, dass Stadt und Stadtwerke darauf pochen, dass ausstehende Rechnungen beglichen werden, er schloss darum auch mögliche Zwangsvollstreckungen nicht aus.

Jahnz hofft weiter auf Wohnungsaufsichtsgesetz

Insbesondere kritisierte Jahnz noch einmal „gierige Eigentümer“, die die Mieter der zwei Blöcke als Schutzschilder benutzt hätten, um sich zu bereichern. Damit spielte Jahnz darauf an, dass viele Vermieter in den vergangenen Jahren zwar Miete kassierten, aber Nebenkosten für Gas und Wasser nicht an die Stadtwerke weiterleiteten und auch sonst nicht in die Wohnungen investierten. Aus diesem Grund ist die Schließung auch als Abschreckung zu sehen: „Wir mussten zeigen, dass wir imstande sind, uns zu wehren“, so Jahnz. Er wies nochmals auf ein Wohnungsaufsichtsgesetz hin, dass es in Niedersachsen brauche, um Zustände wie zuletzt in den beiden Wolleparkblöcken künftig zu vermeiden.

Stadt will Verhältnisse im Wollepark-Areal neu ordnen

Trotz aller Kritik sei der Tag der Schließung ein freudiger Tag, so Jahnz: „Es ist ein Erfolg, dass wir die Szene herausbekommen haben“, sagte er zu über die zum Teil dubiose Vermieterschaft. Die Stadt wolle nun die Verhältnisse der Hausnummern 11 bis 12 und auch 13 bis 14 neu ordnen, um vernünftige Wohnungen anbieten zu können. Wie berichtet, strebt die Stadt an, diese vier Blöcke zu kaufen, um diese nach dem Vorbild der Gebäude 1 bis 5 abzureißen und die Areale zu gestalten. Dass neuer Wohnraum zumindest bei den Blöcken 11 bis 12 per Sanierung entstehen könnte, wie es Hausverwalter Matthias Volkmer anstrebt, schloss Jahnz nicht aus. Ein Sanierungskonzept liege derzeit aber noch nicht vor. Zunächst aber müssten offene Rechnungen beglichen und Mängel beseitigt werden.