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Jakobskreuzkraut gilt als giftig Delmenhorster Pferdehalter kämpfen gegen umstrittene Pflanze

Von Britta Buntemeyer | 29.06.2015, 21:43 Uhr

Sie blüht gelb und gilt als stark leberschädigend: die Pflanze des Jakobskreuzkrauts. Pferdehalter in Annenheide kämpfen gegen das Kraut, die Stadt stellt die Giftigkeit infrage.

Leuchtend gelbe Blüten, eigentlich ein idyllischer Anblick inmitten der grünen Natur: Doch das Jakobskreuzkraut, das sich verstärkt in Annenheide ausbreitet, versetzt die dortigen Pferdehalter in Sorge. „Die Pflanze ist giftig, wir stechen sie per Hand aus“, sagt Claudia Janoschka, die zwei ihrer Pferde auf einer gepachteten Weidefläche am Wischenweg hält. Genau wie sie sind auch die Nachbarn besorgt um das Wohl ihrer Tiere. Das Jakobskreuzkraut wirke leberschädigend, könne das Erbgut verändern und auch Embryonen Schaden zufügen. Derzeit verbreitet sich das Kraut nach Angaben der Annenheider zunehmend.

Pferdehalter stechen Kraut per Hand aus

„Wir stechen es per Hand aus“, sagt Janoschka. Die Pferde stehen auf einer Weide, die ein Landwirt von der Stadt gepachtet hat. Er ist dafür zuständig, dass sich das Kraut auf seinen Flächen nicht ausbreitet. Dies wird auch eingehalten. Das Problem: die dicht bewachsenen Flächen im Randbereich, die in der Zuständigkeit der Stadt liegen. Die ersten Blüten des Jakobskreuzkrauts zeigen sich hier bereits. „Wenn Gras, in dem sich auch Teile des Krauts befinden, geheut wird, trocknet es und das Kraut verliert seine Bitterstoffe“, sagt Gaby Jandt. „Die Pferde können dann nicht mehr unterscheiden und fressen alles.“

Anwohner sehen Gefährdung nicht nur für Pferde

Aber nicht nur für Pferde besteht hier nach Ansicht der Tierfreunde eine Gefährdung. „Auch Hunde oder kleine Kinder können mit der Pflanze in Kontakt kommen“, sagt Janoschka. Das Kraut müsse in frühem Zustand, schon vor der Blüte, komplett bekämpft werden, damit es nicht wiederkehrt. Mähen reiche nicht aus. Die Giftigkeit wird unter anderem auch von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen belegt. Dort ist von einer „nicht unerheblichen Giftigkeit gegenüber Warmblütern“ die Rede.

Stadt will Kraut kurzfristig mähen lassen

Die Stadt Delmenhorst erklärt auf Nachfrage, dass im vergangenen Jahr erstmals Hinweise eingegangen seien, dass sich auf besagten Flächen Jakobskreuzkraut befindet. Daraufhin sei der Wuchs kurzfristig gemäht worden. Bei einer Ortsbesichtigung am Montag war laut Stadtsprecher Timo Frers festzustellen, dass sich auf den Flächen „wieder unterschiedlich stark Kreuzkraut befindet“. Die Flächen seien nur teilweise gemäht worden. Für den Randbereich werde der Baubetrieb kurzfristig mit dem Mähen beauftragt.

Giftigkeit infrage gestellt

Die Giftigkeit des Jakobskreuzkrauts stellt die Stadt indes infrage. Es handele sich um eine „alte heimische Wildpflanze“ und sowohl im europäischen als auch deutschen Pflanzenrecht existiere keine gesetzliche Regelung für eine Bekämpfung. „Hinsichtlich einer giftigen Wirkung auf Warmblüter liegen nach Kenntnis des Fachdienstes Stadtgrün und Naturschutz keine gesicherten Erkenntnisse vor“, erklärt Frers und ergänzt: „Untersuchungen der Tierärztlichen Hochschule Hannover relativieren viele der in den Medien verbreiteten Berichte.“