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Jazz Invaders auf Tour Delmenhorst Bigband genießt Auftritte in Irland

Von Marco Julius | 17.08.2016, 10:25 Uhr

Die Jazz Invaders aus Delmenhorst haben eine kleine Tournee in Irland gespielt. Bandleader Hans Kämper schwärmt von den Iren, der irischen Landschaft und den Möglichkeiten, die das Land Musikern bietet.

Hans Kämper geht langsam, man darf das mit allem Respekt sagen, auf die 70 zu. Der leidenschaftliche Berufsmusiker, der unter anderem ab 1989 lange Jahre das Jazzfest in Delmenhorst auf die Beine gestellt hat, stand bereits auf vielen Bühnen, nicht nur in Europa. Er ist eine feste Größe in der deutschen Jazz-Szene, als Arrangeur, Komponist und vor allem als Posaunist. Ist so ein Mann noch zu beeindrucken? Definitiv ja. Just zurückgekehrt von einer Konzertreise durch Irland, ist ihm die Begeisterung über die Reaktionen des irischen Publikums noch deutlich anzumerken. „Das waren vier wunderbare Abende“, schwärmt Kämper. Gespielt hat er in Irland mit seinen Jazz Invaders, jener Bigband in klassischer Besetzung, die er 1979 zunächst als Kurs an der Musikschule der Stadt Delmenhorst ins Leben gerufen hat.

Konzert bei der 150-Jahr-Feier des Transatlantikkabels

Vier Konzerte, immer rappelvolle Häuser: „Die Iren, ein unheimlich musikalisches Volk, haben uns gefeiert“, freut sich Kämper. Die Jazz Invaders waren der Top-Act bei der 150-Jahr-Feier des Transatlantikkabels, das ab 1866 die Telegrafie über den Ozean möglich machte. Im Royal Valentia Hotel & Pier Bar in Knightstown spielten die 18 Musiker, die gemeinsam mit sieben Freunden und Freundinnen zehn Tage in Irland unterwegs waren, ihre Mischung aus Modern Jazz und Swing. „Wir spielen Stücke, die schon zur Sache gehen“, sagt Kämper. Klassiker von Count Basie oder Duke Ellington gehören ebenso dazu wie neuere Stücke von den Grammy-Preisträgern Norah Jones und Michael Bublé.

Weitere Stationen in Irland, an denen die Jazz Invaders die Fahne Delmenhorsts hoch hielten, waren das TechAmergin Artcentre in Waterville, das St. John‘s Theater in Listowel und das Ring Lyne Hotel in Valentia. „In Irland gibt es für Bands viel mehr Möglichkeiten, live zu spielen als in Deutschland. Die Leute haben uns offen empfangen und uns am Tag nach Konzerten auf der Straße erkannt und angesprochen“, freut sich Kämper, der auch von der irischen Landschaft schwärmt.

Zweite Konzertreise durch Irland

Bereits vor zwei Jahren haben die Jazz Invaders eine kleine Tour durch Irland unternommen und sich so dort einen Namen gemacht und eine Fangemeinde erspielt. „Wir können jederzeit wiederkommen“, sagt Kämper, „die Anfrage für das kommende Jahr gab es noch vor Ort.“ Es sei jedoch immer ein organisatorischer Kraftakt, betont der Musiker. Aber die Lust, noch einmal mit der Band auf die Grüne Insel zu reisen, ist da. „Vielleicht in zwei Jahren, wenn meine Kräfte reichen“, sagt der studierte Musiker Kämper, der noch einen sehr kraftvollen Eindruck macht.

MSD noch immer die Basis

Die Jazz Invaders proben noch immer in der MSD. Die Bandmitglieder, zwischen 18 und 66 Jahre alt, kommen mittlerweile aus ganz Norddeutschland. Kämper selbst wohnt in Hude, fünf Delmenhorster gehören noch zu den Invaders, die zu einem Drittel aus Profis und zu zwei Dritteln aus Amateuren bestehen. Der Trip nach Irland, den einige der Musiker noch mit einem Urlaub verbunden haben, hat sich für die Musiker auch finanziell bezahlt gemacht. „In Deutschland wird das immer schwieriger, viele Bands geben Hut-Konzerte, weil es keine Gagen mehr gibt“, bedauert der Musiker. Auch die Entwicklung in Delmenhorst betrachtet er mit Sorge. „Es fehlt an Auftrittsmöglichkeiten, vor allem seit das Kerem geschlossen hat. Die Kultur müsste insgesamt mehr gefördert und subventioniert werden“, wünscht er sich. Wer die ewig jungen Jazz Invaders live erleben will, hat dazu am 2. September wieder Gelegenheit. Dann spielt die Bigband das Schafferkonzert in der Simon-Petrus–Gemeinde in Bremen- Habenhausen. Am 5. Oktober folgt ein Auftritt im Bürgerhaus Weserterrassen, ebenfalls in Bremen. Die Iren müssen sich hingegen noch ein wenig gedulden.