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Johannes Flöck in der Divarena Delmenhorst: Alternder Komiker lernt aus Fehlern der anderen

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 29.04.2016, 13:32 Uhr

Johannes Flöck geht es gut. Das zumindest behauptet der Komiker von sich, und das Publikum in der etwa zur Hälfte gefüllten Divarena sieht am Donnerstagabend keinen Grund, seine Worte anzuzweifeln. Umso weniger, als es ihm gern glaubt. Denn Flöck führt sein Wohlbefinden nicht zuletzt auf sein Alter von 48 Jahren zurück – und liegt damit etwa in der Mitte.

Die Identifikation der Zuschauer mit diesem Komiker und seinem Thema „Neues vom Altern“ ist geradezu spürbar. Er sei jetzt in einem Alter, in dem er gern Ratschläge erteile, charakterisiert sich Flöck und fügt hinzu: „Ich lerne immer noch aus Fehlern – derer, die meine Ratschläge befolgen.“ Im Übrigen sei er längst so weit gereift, dass er die Dinge nicht mehr so verbissen betrachte wie in jungen Jahren, er sehe die Welt gar mit anderen Augen. „Das klappt gut! Wegen nachlassender Sehstärke!“, führt er aus – und weiß die Divarena spätestens nach diesem Exkurs voll und ganz auf seiner Seite.

Licht als Feind der Schönheit, nicht das Alter

(Weiterlesen: Gunter Zinkgraf steigt aus der Divarena aus)

Nun lässt der Komiker verstärkt seinen Charme spielen, wendet sich nach einigen weiteren Gags zum eigenen Altern den Frauen im Saal zu, hat auch zu ihrem Alterungsprozess kleine Geschichtchen auf Lager. Er verpackt sie galant als „Beobachtungen“, die er an seiner Freundin gemacht habe. Diese verschreibe sich gerade mehrerer Diäten gleichzeitig, damit sie genug zu essen kriege. Noch einmal schwenkt er zu den Augen: Nicht das Alter sei der größte Feind der Schönheit, sondern das Licht und HD.

Situationskomik des Alltags, kein Bloßstellen

Immer wieder schlägt Flöck geschickt den Bogen zurück zu sich, achtet geradezu peinlich genau darauf, dass das Publikum mindestens so viel über „ihn“ wie über andere lacht. Es geht ihm offensichtlich nicht darum, irgendwen bloßzustellen, sondern darum, alltägliche Situationskomik, die alle betrifft, offen zu legen. „Wie lange machst du das schon?“, habe ihn das Publikum früher immer wieder gefragt. Heute dagegen laute die Frage immer öfter: „Wie lang können Sie das noch?“

Jüngerer sind schneller, Älterere kennen Abkürzungen

Jüngere Leute könnten zwar schneller laufen als die Älteren. Jene aber wüssten um die Abkürzungen, fasst Flöck das eigene Programm quasi zusammen. – Ein schöner Abend mit einem tiefgründigen und sehr poetisch veranlagten Komiker in der Divarena.