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Reaktionen auf politische Debatte Josef-Hospital Delmenhorst will "in Ruhe arbeiten"

Von Marco Julius | 18.07.2019, 11:47 Uhr

Verantwortliche im Josef-Hospital Delmenhorst zeigen sich zunehmend genervt von der politischen Debatte, in deren Zentrum der Gesellschaftsvertrag steht.

In der scharf geführten Debatte um den Gesellschaftsvertrag des Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD), vorwiegend geführt von Teilen der SPD in den sozialen Netzwerken, geht es vor allem um eine Änderung, die es dem JHD-Geschäftsführer erlaubt, zentrale Personalentscheidungen zu treffen, ohne den Aufsichtsrat einzubinden. Doch wie reagiert das Krankenhaus? Tenor: Im JHD wäre man froh, wenn man sich auf die Arbeit konzentrieren könnte.

Betriebsrat wird deutlich

Florian Friedel, Geschäftsführer des JHD, will sich mit Kommentaren zu der politischen Diskussion zurückhalten. Er sagt auf Nachfrage lediglich, er sei verwundert über die Debatte. Andere werden da schon deutlicher. Gert Prahm vom Betriebsrat des JHD zum Beispiel. Er hat eine klare Meinung: „Es wäre gut, wenn die selbsternannten Krankenhaus-Experten aus der Politik uns hier einfach mal in Ruhe arbeiten ließen. Sie sollen sich raushalten aus dem laufenden Betrieb.“ Man habe bereits in früheren Jahren gesehen, was passiere, wenn sich die Politik zu sehr einmische.

Ärztlicher Direktor kritisiert öffentliche Diskussion

Dr. Frank Starp, Ärztlicher Direktor des JHD, erinnert derweil an einen offenen Brief der Chefärzte aus dem Januar. Damals schwelte die Debatte um den Wechsel an der Spitze der Frauenklinik. Die Chefärzte kritisierten „die ständige öffentliche Diskussion über interne Belange“, die Patienten und Angehörige verunsichere und Mitarbeiter belaste.

Mit Blick auf die aktuelle Debatte knüpft Starp an den Brief an: „An der Aussage hat sich nichts geändert. Wir sind mit dem JHD auf einem guten Weg der Konsolidierung, den wir in Ruhe fortführen sollten.“ Starp hebt dabei die Arbeit des Geschäftsführers Friedel deutlich hervor. Positive Effekte der Arbeit seien spürbar. „Wir werden sichtbar besser“, sagt Starp. Friedel sei dabei niemand, der einsame Entscheidungen fälle. „Ich habe bereits in einigen Kliniken gearbeitet, einen so guten Austausch mit der Geschäftsführung erlebe ich jetzt aber zum ersten Mal. Das ist höchst erfreulich und immer zielgerichtet.“ Starp betont auch: „Wirtschaftliches Denken und medizinische Qualität schließen sich nicht aus.“ Sorgen auf Seiten der Politik nennt Starp daher unbegründet. „Wir würden uns lähmen, wenn der Aufsichtsrat bei Personalentscheidungen mitreden würde.“

Insolvenzverwalter sieht keinen Grund für Diskussion

Der ehemalige Insolvenzverwalter des Krankenhauses, Markus Kohlstedt, betont auf Nachfrage, dass es im Frühjahr 2018 bei den Änderungen des Gesellschaftsvertrages keine Gesetzesverstöße gab. Friedel habe auch nicht eigenmächtig die Änderung des Vertrages auf den Weg gebracht. „Aus meiner Sicht ist das alles vollkommen unproblematisch. Alles lief in Abstimmung mit mir. Ich würde das jederzeit wieder so machen.“ Handlungsfähigkeit sei damals, in Zeiten, in denen es einen gewissen Zeitdruck gegeben habe, ein wichtiges Stichwort gewesen. Es sei noch gar nicht klar gewesen, ob und wann es einen Aufsichtsrat geben würde. Dass das Thema jetzt politisch hochkocht, „ist absolut nicht förderlich für das Krankenhaus“.