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Jüdische Gemeinde Delmenhorst In patriotischer Begeisterung für den Krieg gespendet

04.11.2017, 09:42 Uhr

Im Zuge der Aufklärung wurde auch die Frage nach einer Aufhebung der rechtlichen und gesellschaftlichen Diskriminierung der Juden aufgeworfen.

Im Großherzogtum Oldenburg wurden die jüdischen Einwohner mit dem Staatsgrundgesetz von 1849 den christlichen Bürgern weitestgehend gleichgestellt. Der zu erkaufende Schutzstatus entfiel, auch für die Juden galten jetzt Freizügigkeit und Gewerbefreiheit, aber auch die allgemeine Schul- und Wehrpflicht.

Vier jüdische Gefallene im Ersten Weltkrieg

Die jüdische Gemeinde wuchs, neue Familien zogen nach Delmenhorst, die zunehmend den Viehhandel in der Stadt beherrschten. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs lebten 124 Juden in Delmenhorst. Sie teilten die herrschende patriotische Begeisterung: Gelder, die für den Bau einer neuen Synagoge schon gesammelt worden waren, wurden nun für die Kriegsanleihe gespendet. Vier Gefallene hatten die jüdischen Familien zu beklagen.

1928 neue Synagoge eingeweiht

Nach dem Krieg blühte die Gemeinde trotz aufkommender Anfeindungen durch völkische Gruppen weiter auf. 1928 konnte das Neubauprojekt doch noch verwirklicht und im September an der Cramerstraße 20 die neue Synagoge eingeweiht werden. Nur zehn Jahre sollte sie Bestand haben, bis zum Pogrom des Jahres 1938.

Weg in die Vernichtung

Boykott jüdischer Geschäfte, Nürnberger Rassengesetze, Berufsverbote, Arisierung, Judenstern – diese nüchternen Begriffe stehen für die schrittweise Ausgrenzung der Juden aus dem öffentlichen Leben. Wem die Auswanderung nicht glückte, den ereilte schließlich 1941 das Schicksal der Deportation in die Gettos von Lodz und Minsk und ins KZ Theresienstadt.