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Jüdische Gemeinde unterbricht Gedenkfeier Eine verpasste Chance

Meinung – Thomas Breuer | 10.11.2016, 21:14 Uhr

Wie mit der noch jungen Partei AfD umgegangen werden soll, ist durch die unterbrochene Gedenkfeier im Delmenhorster Rathaus verstärkt in den Fokus gerückt. Es besteht Redebedarf. Ein Kommentar.

Angesichts dessen, was andernorts von AfD-Mitgliedern schon in die Welt gepustet wurde, sind die Vorbehalte der Jüdischen Gemeinde auch gegenüber den Ratsvertretern der Rechtspopulisten in Delmenhorst nachvollziehbar. Statt aber vor ihnen davonzulaufen, hätten die Verantwortlichen die Gedenkfeier auch als Chance nutzen können, um ihre Bedenken darzustellen.

(Weiterlesen: Gedenkfeier zur Reichspogromnacht in Delmenhorst abgebrochen)

Sie hätten am Mikrofon erläutern können, warum es gerade am Gedenktag 9. November unerträglich ist, mit Angehörigen einer auf Ausgrenzung ausgerichteten Partei in einem Raum zu sitzen. Und sie hätten denjenigen noch einmal ins Stammbuch schreiben können, dass man sich als örtliches Mitglied der AfD nicht locker-lässig von Haltungen und Positionen der Partei in anderen Landesteilen freisprechen kann.

Wie soll das weitergehen? Reicht bloße AfD-Präsenz ab sofort aus, damit Ausrichter von Gedenkfeiern und anderen Veranstaltungen pflichtschuldigst kapitulieren?

Eine breitere Öffentlichkeit würde dies allzu schnell nicht mehr als einwandfreie Geisteshaltung, sondern als Ausgrenzung deuten. Das wäre genau das, was die AfD noch stärker machen könnte.