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Julian Flocke im Interview „Delmenhorst braucht ein Parkdeck am Vorwerk“

Von Sascha Sebastian Rühl | 05.05.2018, 09:21 Uhr

Der Umbau der Innenstadt ist abgeschlossen, Delmenhorsts Vorzeigestraße ist bereit für die Zukunft. Woran jetzt gearbeitet werden muss, um auch in Zukunft dort einkaufen zu können, erzählt Julian Flocke, Inhaber von drei Geschäften in der Innenstadt, im dk-Interview.

 Herr Flocke, wie sieht die Delmenhorster Innenstadt in 20 Jahren aus? 

Ich habe meine Glaskugel heute zuhause gelassen. Ich glaube, das kann man nicht sagen, aber die Innenstadt wird weiter bestehen und ihren Platz in der Gesellschaft haben. Wenn alle Akteure dazu beitragen.

 Wie sieht Ihr Teil dazu aus? 

Wir Händler investieren in unsere Standorte, um sie zukunftsfähig aufzustellen, sie weiterzuentwickeln und den Begebenheiten anzupassen. Wir organisieren Aktionen wie den Autofrühling, den Frühjahrszauber oder die Kinderbaustelle und sorgen für die Winterbeleuchtung. Das sind alles kleine Teile, mit denen wir für ein schönes Einkaufserlebnis sorgen.

 Wie wird man in der Innenstadt erfolgreich bleiben können? 

Die richtige Ware, der richtige Preis und die richtige Beratung – das sind schon mal die Hausaufgaben, die jeder von uns machen muss. Und man muss den Internethandel auf dem Schirm haben und einen Mehrwert bieten, damit die Leute bei uns kaufen, wenn es uns mittelfristig noch geben soll. Wir haben hier viele inhabergeführte Geschäfte mit einer höheren Beratungsqualität als in großen Städten mit vielen Filialisten.

 Ist der Onlinehandel ein Ausweg? 

In vielen Bereichen wäre man nicht der Erste, man müsste besser oder anders sein. Das Internet ist kein Allheilmittel und es erfordert enorme Investitionen, fast gleich so hohe wie für neue Läden. Man könnte höchstens mit gewissen Produkten Nischen füllen.

 Wie kann man sonst mit dem Netz konkurrieren? 

Wir haben in der Innenstadt ein sehr breites Sortiment, das müssen wir online abbilden. Der Kunde könnte seinen Sportschuh im Internet aussuchen und reservieren und bekommt im Laden die Beratung. Der Vorteil gegenüber dem Internet wäre: keine Wartezeit.

 Woolworth zieht ins Jute-Center, nicht in die Innenstadt. Chance oder Schlag ins Gesicht? 

Das ist eine große Chance, wir begrüßen das Kaufhaus, auch wenn wir es lieber in der Innenstadt gesehen hätten. Es ist kein Schlag ins Gesicht, aber die Abwanderung lag wohl auch am Parkplatzmangel. Das zeigt einmal mehr, dass die Situation hier nicht zufriedenstellend ist. Wir würden es begrüßen, wenn der Rat über seinen Schatten spränge und dem Parkdeck am Vorwerk grünes Licht gebe anstatt sich von einer privat geführten Interessensgruppe leiten zu lassen. Wir brauchen mehr qualitative Parkfläche.

 So wie die Graft? 

Dazu zählt nicht die Graft. Sie ist zu weit weg, vor allem wenn es regnet, und zu düster. Ich kann junge Frauen verstehen, denen es dort abends zu gruselig ist, um dort zu parken. Man könnte überlegen, die Fläche netter zu gestalten und zu beleuchten.

 Wie kann auf Woolworth reagiert werden? 

Ich weiß nicht, ob wir das können. Wir müssen jetzt massiv die Attraktivität der Innenstadt steigern. Wir haben die Markthalle, ein neues Pflaster und große Baustellen wie Hertie. Ich denke, seitens der Verwaltung wird das Kaufpark-Haus zu wenig beachtet. Wenn das City-Parkhaus fertiggestellt ist, wird es eine wichtige Rolle spielen als Entree zur Innenstadt. Ob es da so schön ist, zwischen leer stehenden Geschäften durchzugehen, wage ich zu bezweifeln.

 Worum sollte sich die Verwaltung noch kümmern? 

Was soll aus dem Krankenhausgebäude werden? Es ist wichtig, dass die Verwaltung da Ideen hat, wenn das JHD jetzt an der Wildeshauser Straße bleibt. Der Standort Deichhorst wird dadurch gestärkt und ich befürchte, dass die Innenstadt an die Satellitenzentren den Anschluss verlieren kann. Da sind die Kaufleute, die Stadt und die dwfg gefragt, um dieses Thema ganz nach oben zu bringen.

 Der Umbau der Fußgängerzone war mit Dreck und Wegsperrungen verbunden. Wie schwierig war die Zeit für Sie? 

Die zwei Jahre Sanierung haben ganz gehörig an den Umsätzen gezerrt. Das war eine erhebliche Beeinträchtigung und es gibt noch Verbesserungspotenzial: ein bisschen mehr Grün wäre schön.

 Nicht jeder hat die Zeit überstanden. 

Das verdeutlicht, dass wir alles tun – bis zu einem gewissen Punkt. Es ist bedauerlich, dass es manche Händler nicht geschafft haben, die Zeit durchzuhalten – es hat nicht an ihrem Sortiment gelegen.

 Und mit der dwfg? 

Mit der dwfg arbeiten wir eigentlich gut zusammen, es gibt wenig Grund zur Klage, aber wir könnten manchmal mehr Gespräche führen, auch deswegen sind wir froh über die City-Managerin als Schnittstelle.

 Was könnte besser laufen? 

Wir sind bei Veranstaltungen natürlich unterstützend, aber unsere Hauptaufgabe ist, Ware zur Verfügung zu stellen. Ich will uns Händler nicht aus der Verantwortung ziehen, aber ich würde es begrüßen, wenn sich die dwfg mehr einbringen würde. Beim Frühjahrszauber kommen wir bei der Organisation an die Grenzen. Diese Hauptaufgabe sehe ich ehrlich gesagt nicht bei uns. Ich habe 49 Mitarbeiter in Lohn und Brot und will den Job auch die nächsten 30 Jahre noch machen.