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Junge Leute aktiv beteiligt Frischer Wind bei Delmenhorster Maikundgebung

Von Thomas Breuer | 01.05.2016, 19:53 Uhr

Popcorn und dazu die Forderung nach einer 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Am Stand der Linksjugend „solid“ konnte sich der gemeine Arbeitnehmer wohlfühlen zum Tag der Arbeit.

Wie neun weitere politische Nachwuchsorganisationen und Jugendinitiativen hatte das kleine „solid-“Grüppchen sein Zelt bei der Maikundgebung auf dem Bismarckplatz aufgebaut, um für die eigenen Positionen zu werben.

Die ausdrückliche Hinwendung zu den jungen Menschen, sie hat dem DGB gutgetan bei seinen Aktivitäten zum 1. Mai. Mehre Dutzend junge Leute hatten sich diesmal eingereiht in den Demonstrationszug, der mit Sambaklängen durch die Innenstadt führte. An die 350 Menschen dürften auf der Straße gewesen sein, insgesamt etwa 600 kamen schließlich auf dem Bismarckplatz zusammen.

Für gute Arbeit und gerechte Entlohnung

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!“ Nicht zu überhören waren die deutlichen Statements aus dem Jugendblock, der, immer wieder ermuntert von Yadigar Polat vom Türkischen Arbeiterverein, kein blatt vor den Mund nahm. Es ging um gute Arbeit und gerechte Entlohnung, aber nicht nur. Auch Plakatives wie „Nicht Geflüchtete, sondern Fluchtursachen bekämpfen!“ erregten Aufmerksamkeit.

Immer noch Aushilfsjobs für nur fünf Euro pro Stunde

Mit Ali Pektürk, Celine Linz und vier weiteren Mitstreitern war auch das Kinder- und Jugendparlament der Stadt Delmenhorst erstmals auf einer Maikundgebung vertreten. Ihnen lag die Forderung nach gleichen Mindestlohn auch bei Jobs für junge Aushilfen am Herzen. Sie führten das Beispiel einer 16-Jährigen an, die in einer Bäckerei lediglich 6,50 Euro bekommt, während ihre 18-jährige Freundin 8,50 Euro erhält. „Ich kenne auch welche, die anderswo für fünf Euro arbeiten“, sagte Pektürk.

Zwar traten noch Oberbürgermeister Axel Jahnz, weitere SPD-Politiker wie Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag und Landtagsabgeordneter Axel Brammer und auch der örtliche DGB-Vorsitzende Uwe Helfrich ans Mikrofon, die größte Aufmerksamkeit bekam aber der Nachwuchs.

Überlegungen für 2017 laufen schon

„Es war ein Versuch, und der ist nicht gescheitert“, freute sich Oliver Barth, seit dem vergangenen November Gewerkschaftssekretär in der DGB-Region Oldenburg-Ostfriesland. Der 39-Jährige hatte mit seinen Mitstreitern die jungen Leute zum Mitmachen ermuntert. Und er hat dabei erfahren, dass viele von ihnen noch nie auf einer Maikundgebung waren, auch weil sie ihnen am Feiertag zu früh startet. Für das kommende Jahr hätten etliche Beteiligte schon neue Ideen und würden gerne wieder mitmachen.

Ob Henning Waldeck von der Linksjugend „solid“ dann schon als Groß- und Außenhandelskaufmann nur noch 30 Stunden bei vollem Lohnausgleich arbeitet, er denkt eher nicht. „Aber unsere Forderungen sind nicht utopisch“, sagt der 20-Jährige.