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Jungenaktionstag in Delmenhorst Warum auf der Burginsel nur Jungen erlaubt waren

Von Vincent Buß | 04.11.2018, 13:26 Uhr

„Mädchen verboten“, hieß es am Samstag, 3. November, in der Graft. Dass der Jungenarbeitskreis Delmenhorst einen Tag nur den Jungen widmete, soll verschiedene Zwecke erfüllen.

Entschlossen laufen am Samstagmittag mehr als 30 Kinder in kleinen Gruppen über die Burgingel – allesamt Jungen. Die Teilnehmer des Jungenaktionstags sind auf der Suche nach versteckten Zahlenplättchen. „Ich weiß, wo die acht ist“, ruft einer. „Aber wir brauchen die sechs“, entgegnet ein anderer. Als die gesuchte Zahl endlich an einem Baum erspäht wird, bilden die Jungen schnell eine Räuberleiter, um sie abzunehmen.

Typisches Jungenverhalten ist tabu

Das angeblich typische Verhalten von Jungen – laut sein, stark sein – ist laut Kai Ströhmer, Leiter des Delmenhorster Familienzentrums Villa, beim heutigen Jungenaktionstag tabu. „Stattdessen kommt es auf Teamfähigkeit an.“ Unabhängig von Stadtteilen und Herkunft sollen sich die Teilnehmer kennen lernen.

Für das Wir-Gefühl tragen die Teammitglieder Stoffbänder in der gleichen Farbe und geben sich Namen. „No Skins“ heißt das Team, in dem Anakyn und Poyraz sind – angelehnt an das beliebte Videospiel „Fortnite“. Dass keine Mädchen dabei sind, finden die Neunjährigen gut: „Die spielen nur mit der App Tiktok, singen Lieder oder wollen Wahrheit oder Pflicht spielen.“

Die Geschlechtertrennung hat laut Ströhmer jedoch andere Gründe. „Zum Einen denken die Jungen dann nicht, dass sie sich beweisen müssen.“ Zum Anderen sind auch die Betreuer aller Teams Männer. „Jungen brauchen männliche Vorbilder“, erklärt Ströhmer. Denn viele wüchsen ohne Vater auf. Zudem seien auch in Kindergärten und Grundschulen nur selten Männer präsent.

Premiere beim sechsten Jungenaktionstag

Betreuer und Veranstalter stammen vom Jungenarbeitskreis (JAK) Delmenhorst. Dazu zählen die Jugendhäuser, der Fachdienst Jugendarbeit der Stadt sowie die Schulsozialarbeiter der Jugendhilfestiftung. Es ist die sechste Ausgabe des Jungenaktionstags. Zum ersten Mal steht ein Geländespiel an.

Bei der „Chaos-Rallye“ suchen die Jungen auf der Burginsel Zahlenplättchen, zu denen Aufgaben gehören. Zum Beispiel die Farbe von Gummibärchen anhand des Geschmacks erkennen, zehn Seilsprünge machen oder über eine Slackline balancieren.

Nicht nur Playstation spielen

„Wir wollen auch eine alternative Freizeitgestaltung aufzeigen“, sagt Jörn Lahme, Sozialarbeiter an der Mosaikschule. „Manche spielen sonst viel Playstation.“ Ausgerichtet sind die Spiele auf Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren. Diese Altersgruppe ist laut Lahme besonders wichtig, weil darin der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule fällt. „Und es ist die Zeit, bevor Mädchen interessant werden“, ergänzt er lachend. Um die Gleichberechtigung zu garantieren, gibt es übrigens auch für Mädchen Aktionstage.

Nach der Rallye grillen die Teilnehmer noch gemeinsam. Anakyn und Poyraz sind zufrieden. „Uns gefällt alles gut: Das Spiel, die Aufgaben und das Essen.“