Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Jute weist Kritik zurück Delmenhorster Disco „Retro“ kämpft ums Überleben

Von Eyke Swarovsky | 03.05.2017, 19:43 Uhr

Mit der Umstellung auf das neue Konzept „Retro 2.0“ ist in Delmenhorsts letzter großer Disco einiges besser geworden. Die Betreiber kämpfen aber weiterhin ums Überleben.

Mit einer Neuausrichtung bei den Angeboten und beim Einlass sollte alles besser werden, doch die Betreiber der Disco „Retro“ im Jute-Center kämpfen weiter ums Überleben. Eine Rettung ist noch nicht in Sicht. Kritik am Center-Management weist die Eigentümerfirma unterdessen zurück.

Neues Konzept seit November 2016

Anfang November des vergangenen Jahres stellte sich die „Retro“ neu auf. „Retro 2.0“ hieß das neue Konzept, mit dem die Betreiber der Disco im Jute-Center die Kehrtwende schaffen wollten. Schon damals sagte Betriebsleiterin Jasmin Bozic offen, dass es nicht gut um die Disco stehe und dringend mehr Besucher her müssen. Was hat sich seitdem geändert?

Kritik an Türpolitik hat abgenommen

„Es ist etwas besser geworden“, sagt Bozic auf Nachfrage unserer Redaktion. Offenbar aber nicht so viel besser, dass die „Retro“ sorgenfrei in die Zukunft blicken kann.

„Die Umstellung auf das neue Konzept hat uns nicht so viel zusätzliche Besucher gebracht, wie wir erhofft haben“, sagt Jasmin Bozic. An manchen Wochenenden sei es sehr gut gefüllt, an anderen Tagen aber geradezu leer. „Wir sind noch immer froh über jeden Gast, der zu uns kommt“, sagt die Betriebsleiterin. Bei der Neuausrichtung Ende 2016 waren auch die Besucher der Disco zu Wort gekommen und konnten Wünsche äußern. Damals wurde mehrfach die strenge Türpolitik kritisiert. In dem Punkt sei man etwas lockerer geworden. „Die Kritik ist hier stark zurückgegangen“, sagt Bozic.

Mit dem Handy auf der Tanzfläche

Erst kürzlich haben die Discobetreiber einige Stehtische durch Sofaecken ausgetauscht. Zusätzlich wurden ein Kicker, ein Boxautomat und eine Playstation aufgestellt. „Nur tanzen kommt bei den Jugendlichen einfach nicht mehr an“, stellt Bozic fest. Mit Verwunderung in der Stimme erzählt sie: „Die Leute stehen bei uns mit dem Handy in der Hand auf der Tanzfläche und bewegen sich nicht mehr.“ Diese Beobachtung habe dazu geführt, dass die Verantwortlichen überlegten, wie sie die Besucher anderweitig beschäftigen können. „Wir müssen abseits der Tanzfläche Aufenthaltsqualität schaffen.“

Vermieter weist Kritik zurück

Ausbleibende Gäste sind das eine. Das andere sind die Fixkosten, die immer weiter steigen. „Wir sind mittlerweile bei einem Mindestlohn von neun Euro netto“, sagt Bozic. Hinzu komme eine Miete, die „nicht im Verhältnis steht“. Dadurch sei die „Retro“ auf keinem grünen Zweig, wie Bozic es umschreibt. Der Aussage tritt Christian Kistritz vom Jute-Center-Vermieter Saller Bau entschieden entgegen. Die Konditionen seien vor sieben Jahren ausgemacht und die Verträge unterzeichnet worden. Die Betreiber hätten gewusst, auf was sie sich langfristig einlassen. „Es gehört bei einem Vertrag auch dazu, dass beide Parteien ihren Pflichten nachkommen“, sagt Kistritz.

Streitpunkt Werbegemeinschaft

Ein weiteres Ärgernis für die Discobetreiber: „Wir müssen an das Jute-Center-Management einen hohen Betrag für Werbung zahlen. Und was haben wir davon? Im ganzen Jute-Center gibt es keine Werbung für uns. Nur an der Außenfassade ist das „Retro“-Schild zu sehen“, sagt Bozic. Christian Kistritz weist darauf hin, dass alle Jute-Mieter Mitglieder einer Werbegemeinschaft seien und sich an Aktionen beteiligen könnten. Bei den Sitzungen würden die „Retro“-Verantwortlichen aber nur selten mitmischen. „Hier kommt wenig Input vonseiten der Disco“, sagt Kistritz.

Kooperation mit Kino?

Wünschenswert sei für die „Retro“ eine Kooperation mit dem gegenüberliegenden Kino „Maxx“. „Wir könnten uns zum Beispiel Gutscheine für freien Eintritt oder ein Freigetränk auf den Rückseiten der Kinokarten vorstellen“, so Bozic. Dieser Vorschlag sei in der Vergangenheit aber immer wieder abgelehnt worden. „Das kommt uns nicht entgegen“, sagt sie. Dazu Kistritz: „Auch das Kino ist nur Mieter. Da können wir kaum vermitteln. Wir können dem einen Mieter ja nicht auflegen, mit dem anderen zusammenzuarbeiten.“

Anhebung des Altersdurchschnitts hat funktioniert

Aber nicht alles ist schlecht. Die gewünschte leichte Anhebung des Altersschnitts hat funktioniert. „Es hat sich langsam herumgesprochen, dass Gäste über 30 Jahre bei uns freien Eintritt haben“, sagt Bozic. Dadurch kämen mittlerweile mehr Besucher aus dieser Altersgruppe. Dennoch bleibt die Situation für Delmenhorsts letzte große Disco brenzlig. „Der Winter, unsere starke Saison, liegt hinter uns. Ich hoffe sehr, dass wir einigermaßen über den Sommer kommen und im Herbst nochmal einen neuen Versuch starten können. Weiter als über das laufende Jahr können wir noch nicht hinausblicken.“