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Kabarett in Delmenhorst Kerim Pamuk sucht mit Humor die Völkerverständigung

Von Mareike Bader | 22.09.2017, 19:00 Uhr

Marotten hat jeder und das verbindet. Wie sich das ausprägt, hörten 150 Besucher von Kerim Pamuk in der Markthalle.

Jedes Völkchen hat seine Eigenheiten. Am Ende des Abends plädiert Kerim Pamuk dafür, zu sagen, was einen verbinde, statt was einen trenne. Damit schließt der deutsche Kabarettist türkischer Herkunft ein gelungenes Fazit, denn Pamuk zeigt bei seinem Programm, dass es egal ist, welcher Religion oder Nationalität man angehört – jeder hat Macken.

Besonders angetan hat es ihm dabei Facebook als Sammelbecken der Marotten. Da werde über jede Kleinigkeit gepostet ebenso das fotografierte Essen, echauffiert er sich. „Der ganze Technik-Hype erschließt sich mir nicht“, sagt Pamuk darüber immer das neueste Smartphone haben zu müssen. Damit stößt er beim Publikum in der Markthalle auf offene Ohren. Das ist nicht ganz so bunt gemischt wie sein Programm: Hauptsächlich nicht-muslimisch, nicht-ausländisch und über 50 Jahre alt, ergibt Pamuks Umfrage zu Beginn.

Unterhaltsam und informativ

Kritisch steht Pamuk auch den drei Weltreligionen gegenüber – aber er kennt sich aus. Locker, unterhaltsam und wirklich informativ gibt er eine Kurzbiografie des Propheten und Religionsstifter des Islam Mohammed zum Besten. Natürlich mit dem ein oder anderen Kommentar versehen, etwa über Mohammeds erste Frau Chadidscha, die ihm – laut Koran – die Ehe „angedient“ habe.

Es sei ein Klischee, dass der Islam supereinfach sei, sagt Pamuk. „Das ist Schwachsinn, das stimmt nicht“, betont er und gibt gleich mehrere Beispiele. Das geht von der Behandlung der Frau und Anhängern anderer Buchreligionen – die sollen respektiert werden –über die Erziehung der Kinder zu selbstständigen Wesen bis hin zum Wein als Prophetengetränk. „Jetzt viel Spaß bei der Auslegung“, beschließt der studierte Orientwissenschaftler seine Aufzählung.

Kinderturnen und Stillmamis

Kerim Pamuk lebt mit seiner Frau und den drei Kindern in Hamburg. Da berichtet er vom Kinderturnen, den Stillmamis, die mit einem entkoffeinierten Sojalatte in der Hand mit dem Buggy alle Wege versperren oder den eigenen Schwierigkeiten die Energie des Sohnes zu bändigen.

Dabei plaudert er locker und frei ganz freundschaftlich über die Angewohnheiten, dass die Zeit schnell vergeht. Einlagen, wie die Rolle des Iraners Reza oder Lesungen aus seinem Satire-Lexikon wirken da wie Bremsklötze. Die 150 Besucher lachen gemeinsam und bleiben durchweg gut gelaunt, am Ende nutzen einige die Gelegenheit, noch ein signiertes Buch von Pamuk mit nach Hause zu nehmen.