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Kabarett und Lebensphilosophie Fröhlicher Abend mit Bill Mockridge in Delmenhorst

Von Thomas Breuer | 13.03.2016, 17:22 Uhr

Erich Schiller aus der „Lindenstraße“? Stimmt, da war was, aber diese Rolle ist weit weg, als Bill Mockridge am Samstagabend erstmals in der Divarena gastiert. 68 Jahre alt ist der Mann, ein halbes Jahrhundert als Schauspieler aktiv und als Kabarettist einer, der sein Publikum vom Start weg für sich erwärmen kann.

Wann ist man alt? Wie sind die Alten von heute? Wie geht man selbst mit sich um, wenn die 50 überschritten ist? Es sind Fragen mitten aus dem Leben, denen Mockridge mit viel Witz, Empathie und Selbstironie nachspürt. Da interessiert den gebürtigen Kanadier natürlich zuallererst, welche Altersspanne sein rund 90-köpfiges Publikum abdeckt. Wie sich herausstellt, reicht die Bandbreite derer, die sich offenbaren, von 30 bis 86.

Kopfnicken und heitere Zustimmung

Was Mockridge auf der Bühne in launigen Worten an Lebenserfahrung serviert, zielt nicht nur auf Lacher, sondern löst bei den Silberlocken, die an diesem Abend deutlich überwiegen, auch Kopfnicken und heitere Zustimmung aus. Man kennt das offensichtlich von sich selbst, geräuschvoll in den Sessel zu sinken und im Bett in erster Linie den „Tatort“ zu genießen.

Die einzig offene Frage: Wann bloß ist es dazu gekommen? Mockridge selbst sagt, bis er 50 wurde, habe er sich für 18 gehalten. „Dann brach mein Haus zusammen, mein Kartenhaus.“

Laufen, Laben, Lernen, Lieben und Lachen

Lebt er deswegen schlechter? Offensichtlich nicht. „Wir müssen das Leben feiern, jeden Augenblick“, propagiert der sechsfache Vater. „Noch ist die Fete im Gange.“ Zu 80 Prozent möchte er die Leute bei seinen Auftritten zum Lachen bringen, sagt Mockridge nach der Show, darüber hinaus 20 Prozent Lebensphilosophie einstreuen. Gerade im zweiten Teil seines Programms nimmt die praktische Lebenshilfe aber einen deutlich höheren Stellenwert ein. Laufen, Laben, Lernen, Lieben und Lachen macht für den Kabarettisten und Menschen Bill Mockridge die Qualität des irdischen Daseins aus. „Ich habe vor, mit 100 Jahren gesund und als aktiver Mensch zu sterben“, plaudert er am Büchertisch aus. Dass Erich Schiller in der „Lindenstraße“ weitaus früher das Zeitliche segnen musste, wen kümmert’s.