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Karneval einst auch an der Delme Delmenhorster Narren feierten mit „Delau“

Von Dirk Hamm | 27.01.2018, 13:39 Uhr

Prinz und Prinzessin regierten früher auch in Delmenhorst vom 11.11. bis Aschermittwoch. Der Karneval konnte sich anders als der Fasching in Ganderkesee aber nicht auf Dauer etablieren.

Das Narrenvolk aus Ganderkesee und umzu hat am gestrigen Freitag eine rauschende Büttenabendpremiere in der Faschingssession 2017/18 gefeiert. Auch viele Delmenhorster waren wieder in die Festhalle am Steinacker gepilgert, um die tolle Stimmung bei Gardeauftritten, Musikdarbietungen und Büttenreden zu genießen. Jungen Delmenhorstern dürfte kaum bekannt sein, dass jahrzehntelang auch in der Delme-stadt vom 11.11. bis zum Aschermittwoch närrisches Treiben herrschte.

Karneval mit allem Drum und Dran

„Delau“ statt „Hinein und he geiht“ wurde gerufen, was den Ganderkeseern der Fasching, das war bis in die 90er Jahre vielen Delmenhorstern der Karneval – mit allem Drum und Dran: Prinzenpaare, Elferrat, Garden, Schlüsselübergabe am Rathaus am 11.11., Prunksitzung, Kinderkarneval und Party am Rosenmontag.

Lediglich einen großen Umzug, wie ihn in der Nachbargemeinde Jahr für Jahr Zehntausende am Straßenrand verfolgen, hat es in Delmenhorst nicht gegeben. Dafür präsentierten sich die Karnevalisten bei anderen Gelegenheiten wie dem Burgfest oder dem Umzug zur Eröffnung des Kramermarkts.

„Es war eine schöne Zeit“

Mit von der Partie war in der Session 1978/79 auch Melanie Hohmann. Damals gerade einmal fünf Jahre alt, durfte die heutige dk-Fotografin als Kinderprinzessin repräsentieren, auch über Aschermittwoch hinaus: „Ich war tierisch stolz, als ich beim Kramermarktumzug Bonbons werfen durfte.“ Zwar sind viele Erinnerungen verblasst, doch Fotos, Orden und das schmucke Prinzessinnenkleid zeugen von den damaligen Auftritten auf der Bühne des Karnevals. So viel weiß Melanie Hohmann ganz sicher: „Es war eine schöne Zeit damals.“

Närrisches Engagement war zeitaufwendig

Ein Satz, wie er so ähnlich auch Dieter Markowiak über die Lippen kommt. Der Delmenhorster leitete von 1971 bis 1980 als Präsident die 1956 aus der Taufe gehobene Delmenhorster Karneval-Gesellschaft (DKG). Sehr zeitaufwendig sei das närrische Engagement gewesen, erinnert sich der 71-Jährige. In der Tat ist es erstaunlich, was die an die Tradition des rheinischen Karnevals anknüpfenden Delmenhorster „Jecken“ damals alles auf die Beine stellten. Von auswärtigen Auftritten mit abendfüllendem Programm etwa in Bassum, Syke oder Blumenthal berichtet Markowiak, oder von der erfolgreichen Teilnahme an Gesangswettbewerben mit eigenkomponierten Liedern.

Aschermittwoch seit 1995 Dauerzustand

Lange Zeit schien es so, als habe sich der Karneval in Delmenhorst fest etabliert. Doch wachsendes Desinteresse der Bevölkerung und schwindendes Engagement der Mitglieder führte 1995 schließlich zur Auflösung der DKG. Sehr zum Bedauern von Dieter Markowiak: „Schade, dass es den Karneval in Delmenhorst nicht mehr gibt.“