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Keine Tiere als Geschenk Tierschützer stellen Vermittlung über Weihnachten ein

Von Jan Eric Fiedler | 07.12.2015, 19:13 Uhr

Das Tierheim in Bergedorf gibt auch im Dezember Tiere ab, fragt aber bei den Abnehmern genau nach. Der Tierschutzverein empfiehlt, die Entscheidung mit der ganzen Familie zu treffen.

Bei vielen Kindern stehen sie ganz oben auf den Wunschzetteln: niedliche Hunde, Katzen oder sogar das Pony. Doch gerade bei Tierschutzorganisationen ist das Haustier als Geschenk am Heiligabend nicht gerne gesehen. Zu hoch ist die Gefahr, dass Verantwortung und Zeit, die die Haltung eines Lebewesens mit sich bringen, unterschätzt wurden. Der Tierschutzverein Delmenhorst setzt deshalb ein Zeichen und stellt deshalb die Vermittlung ab kommenden Montag für vier Wochen ein.

„Unsere Tiere sollen nicht unter den Weihnachtsbaum“

„Wir möchten nicht, dass unsere Tiere als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum landen und haben deshalb keine Vermittlung über die Festtage“, erklärt Vereinssprecherin Sarah Stahmann. Dies macht der Verein mittlerweile seit mehreren Jahren so. Denn es sei bereits die Erfahrung gemacht worden, dass für zu Weihnachten verschenkte Tiere bald ein neues Zuhause gefunden werden muss. „Im letzten Jahr hatten wir den Fall, dass ein Vater schon im Januar den verschenkten Welpen wieder abgeben wollte. Das Kind wollte gar keinen Hund haben“, berichtet Stahmann. Gerade wenn sie der niedlichen Jungtierphase entwachsen sind, werden sie schneller abgegeben.

Ganze Familie muss entscheiden

„Es geht um ein Familienmitglied“, betont Stahmann. Deshalb rät sie dazu, auch die ganze Familie – vor allem die Kinder – in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. „Familien können gerne zum Tierschutzhof kommen und die Tiere kennenlernen.“ Dabei würden die Kinder auch erfahren, welche Arbeit ein Haustier macht. „Wenn wir das sagen, ist es noch einmal etwas anderen als bei den Eltern.“

Zubehör oder Ratgeber statt Tiere

Auch der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt eine gründliche und vor allem gemeinsame Vorbereitung auf ein mögliches neues Familienmitglied. Wer zu Weihnachten trotzdem etwas „tierisches“ verschenken möchte, könne auf gute Ratgeberlektüre zur artgerechten Tierhaltung oder auf geeignetes Heimtierzubehör zurückgreifen.

Erst ein Fall in Bergedorf

Dies schlägt auch Mark Ungnade vor, der das Tierheim Bergedorf leitet. „Wir empfehlen dann, lieber einen Gutschein zu verschenken“, sagt er. Im Tierheim werde schon nachgefragt, welche Gedanken hinter dem Wunsch, ein Tier aufzunehmen, stehen, dass das Tier nicht nur als „nett gemeintes Geschenk“ genommen wird. „Wir merken kurz vor Weihnachten aber nicht, dass die Zahl der Vermittlungen ansteigt“, berichtet Ungnade. Er könne sich erst an einen Fall erinnern, in dem es um ein Tier als Weihnachtsgeschenk gegangen sei. Deshalb wird in dem Tierheim die Vermittlung auch im Dezember weiter angeboten.