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Kinderarmut in Delmenhorst Ausschuss fürchtet um Finanzierung des Kindermittagstischs

Von Frederik Grabbe | 17.05.2017, 15:19 Uhr

Die Stadt soll den Kindermittagstisch des Vereins „Stars for Kids“ finanzieren. Diesen Antrag haben SPD/Piraten und die Linksfraktion am Dienstag im Jugendhilfeausschuss gefolgt von einer emotionalen Debatte gestellt. Eine eindeutige Empfehlung gab es wegen einer Abstimmungspanne nicht. Bei der CDU stieß dieser auf komplettes Unverständnis.

Zu teuer, zu ungerecht: So lässt sich die Kritik von Fachdienstleister Gerd Galwas am Antrag von SPD/Piraten und der Linksfraktion zusammenfassen. Darin fordern die Antragsteller, dass der Kindermittagstisch des Vereins „Stars for Kids“ von der Stadt mit jährlich rund 40.000 Euro finanziert wird. Zudem sieht die Verwaltung die Gefahr, das spendenfinanzierte, trägerübergreifende Angebot des Vereins einstellen zu müssen, übernähme die Stadt das Ruder. „Stars for Kids“ hatte sich Ende 2013 zu dem Zweck gegründet, den Kindermittagstisch der insolvent gegangenen Neuen Arbeit wieder auf die Beine zu stellen und finanziert wöchentlich 250 Essen für Kinder aus bedürftigen Familien in den Jugendhäusern der Stadt. Unklar blieb in der Diskussion, welche Rolle der Verein im künftigen Konstrukt einnehmen könnte.

Schätzen die Arbeit des Vereins sehr

Zuvor hatte Gabi Baumgart (SPD) unterstrichen, dass es nicht darum ginge, dass es den Verein nicht mehr geben solle. „Wir schätzen die Arbeit des Vereins sehr. Die Stadt kann dankbar sein, dass es ihn gibt“, sprach sie für ihre Partei. Doch wisse sie als Vereinsmitglied, wie groß der Druck sei, die Spenden einzutreiben. Im Jahr benötigt der Verein etwa 25.000 Euro. „Was passiert, wenn die Gelder wegbrechen? Oder die Helfer wegfallen?“, fragte Baumgart. Für diesen Fall vorzusorgen, sei eine „moralische Pflicht“. Zudem setze sich der Verein ja für Kinderhilfsprojekte ein, und nicht allein für den Kindermittagstisch. Ausschussvorsitzende Antje Beilemann (SPD), ebenfalls Mitglied im Verein, betonte, dass dies Stadt sich bei dem Angebot nicht auf Hilfe von außen verlassen könne. „Viele Spender stellen ihre Spenden irgendwann ein, das ist ein Erfahrungswert.“

Antrag trifft auf Gegenwind

Doch diese Argumentation, sich auf den Fall der Fälle vorzubereiten, traf nicht flächendeckend auf Zustimmung: Das aktuelle System beizubehalten und die Gelder stattdessen verwenden, um die Ursache von Kinderarmut zu bekämpfen, empfanden Andrea Lotsios (Grüne) und Frauke Wöhler (CDU) als wichtiger. Dies hatte auch die Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände (AGFW) in einer Stellungnahme geraten.

„Abstrus und hanebüchen“

Wöhler nannte den Antrag „unnötig“, da ohnehin schon Gelder in Höhe von 23.000 Euro als Absicherung im Haushalt stünden. Wöhler: „Eine Kommune ist nicht verpflichtet, einen Mittagstisch für Kinder zu bieten. Wir haben einen Verein, der es macht – ich verstehe nicht, warum Sie dem Verein seine Aufgabe entziehen wollen.“ Dies fragte auch Fachdienstleister Galwas, der zudem wissen wollte: „Wie wollen Sie bedürftigen Eltern erklären, dass Ihr Kind kein Mittagessen bekommt, weil es in einen Hort und nicht in eines der Jugendhäuser geht?“ Übernähme die Stadt das Angebot, müssten alle Kinder aus bedürftigen Familien versorgt werden. Und dies treibe die Kosten umso mehr in die Höhe. Ein Argument, dass Beilemann als „abstrus“ und „hanebüchen“ bezeichnete.

Abstimmungspanne im Ausschuss

Klar Stellung beziehen konnte der Ausschuss allerdings nicht: Zwei Nicht-Stimmberechtigte gaben ihr Votum ab, dies wurde von der Verwaltung und der Vorsitzenden nicht bemerkt. „Nicht dramatisch“ sei dies, sagte Fachdienstleiter Galwas am Mittwoch. Das letzte Wort habe ohnehin der Rat.

Verein wurde erst durch Verwaltung informiert

Die Vereinsvorsitzende Britta Burke hat übrigens erst vom Fachbereich erfahren, dass ein Antrag behandelt werde, der ihren Verein betrifft, sagte sie auf Anfrage. „Was das alles für uns bedeutet, weiß niemand.“ Grundsätzlich sei eine finanzielle Sicherung des Vereins „eine gute Sache“, das Sammeln von Spenden sei allerdings bislang wenig problematisch gewesen. Nötigenfalls würde sich der Verein andere Ziele suchen. Burke: „Es ist ja nicht so, dass es in der Stadt nicht genug zu tun gäbe.“