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Kioske in Delmenhorst Marian Krause hat im Kiosk keine Zeit zum Entspannen

Von Frederik Grabbe | 30.03.2015, 18:22 Uhr

Mit dem klassischen Sortiment überlebt man nicht lange, sagt der Betreiber des Kiosks an der Oldenburger Straße Marian Adonis Krause. Und doch schätzt der 40-Jährige gerade seine Stammkundschaft.

Er balanciert ein Kännchen Milch durch den Gästeraum, gleichzeitig bedient er ein mobiles Eingabegerät, um eine Paketabgabe abzurechnen, flitzt unversehens zum Schalter und verkauft eine Zeitschrift – und hat dann auch noch einen netten Spruch auf den Lippen. „Moin Frau Nachbarin. Was gibt’s Neues?“ In seinem Kiosk an der Oldenburger Straße hat Marian Adonis Krause eher selten eine ruhige Minute.

Ohne das Provisionsgeschäft geht es nicht

„Jeder Tag ist anders“, so Krause. „An einem Tag bleiben ein paar Brötchen liegen, an anderen könnte ich drei Mal so viele verkaufen.“ Sagt‘s, und wendet sich dem nächsten Kunden zu. In der Summe treten mehrheitlich Stammkunden in den Kiosk. „Und dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Krause mit Blick aufs Nichtraucherschutzgesetz und steigende Zigarettenpreise. Mittlerweile fußt der Umsatz des 40-Jährigen zum großen Teil auf dem Brötchen- und Kaffeeverkauf. Insgesamt führt Krause um die 180 Artikel. Bunte Tüten, Alkohol, Rauchwaren, Zeitungen oder Süßwaren bilden unter anderem das klassische Kiosksortiment. Sein Laden ist aber auch Paket-Shop, Lottoannahme-Stelle und Ort für Bargeldtransfer ins Ausland. „Ohne das Provisionsgeschäft wie beim Lotto geht‘s nicht“, sagt der gebürtige Rumäne, der den Laden seit zehn Jahren führt.

Konkurrenz durch Supermärkte, Pfandflaschen durch Zahlungsmittel

Gerade weil das Stamm-Sortiment so kleinteilig ist, komme es auf die Menge an: Im Schnitt bedient Krause rund 400 Kunden am Tag. Seine Waren siedeln sich oft im Niedrigpreis-Segment an. Das heißt: Supermärkte sind die größte Konkurrenz, und: Die Kunden seien „keine Großverdiener“, wie Krause es ausdrückt. Mittlerweile nehme er sogar Pfandflaschen als Zahlungsmittel an, die nicht bei ihm gekauft worden sind. „Mit der Einführung des Mindestlohns habe ich gehofft, dass sich das auch am Kiosk bemerkbar macht. Bisher habe ich davon aber noch nichts gemerkt.“

Relaxen – eine Devise, die Krause selbst nicht befolgt

Schaut man sich in Krauses Kiosk um, erblickt man eine Plakette über den Kaffeeausschank. Darauf steht: „Relax“. Entspannen, eine Devise, die Krause selbst nicht verfolgt: Jeden Morgen öffnet er um 4.30 Uhr, richtig Feierabend habe er, der drei Aushilfen beschäftigt, erst gegen 18 Uhr. Urlaub sei immer eine „Glücksfrage“. Trotzdem steht er gerne im Kiosk. Die Familie sei geduldig und mache das mit, sagt der zweifache Vater. „Auch dafür bin ich sehr dankbar.“