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Klassisches Ballett im Kleinen Haus Publikum dankt Nussknacker-Tänzern mit donnerndem Applaus

Von Birgit Stamerjohanns | 09.12.2018, 16:42 Uhr

Jetzt kann Weihnachten kommen: Das Russische Klassische Staatsballett hat am Samstag Tschaikowskys Nussknacker im Kleinen Haus gezeigt.

Alitsyia, sechs Jahre, hält es nicht mehr auf ihrem Platz. Am liebsten würde sie offenbar auf die Bühne springen, zu den Tänzerinnen in glitzernden Kostümen, die scheinbar mühelos eine Pirouette nach der anderen drehen. Dabei tanzt Alitsyia selbst gar kein Ballett – noch nicht: „Ich würde sehr gern!“ Dieser Wunsch dürfte nach dem Abend mit dem Russischen Klassischen Staatsballett noch etwas größer geworden sein. Nicht nur bei der jungen Delmenhorsterin kam der Nussknacker sehr gut an, auch die Erwachsenen ließen sich vom klassischen Ballett verzaubern: „Ist das nicht einfach schön?“, fragt eine Dame während der Pause in die Runde und erntet zustimmendes Kopfnicken. Und Ballett-Fan Pia, neun Jahre, brachte es nach der Vorstellung auf den Punkt: „Das Tollste war, dass die Tänzer die Gefühle so schön mit dem Ballett ausdrücken können!“

Hochklassiger Tanz zu Musik vom Band

Das Orchester mussten sich die Besucher des Kleinen Hauses an diesem Abend dazu denken. Peter Tschaikowskys Melodien kamen – stellenweise ziemlich laut – aus den Boxen. Auf der Bühne indes war gut anderthalb Stunden lang hochklassiger Tanz zu erleben. Der Nussknacker ist eines der bekanntesten Ballette des russischen Komponisten. Es wurde im Dezember 1892 in St. Petersburg uraufgeführt – schon damals mit großem Erfolg. Bis heute ist der Nussknacker gerade in der Vorweihnachtszeit ein beliebtes Ballett: Zum einen spielt die Rahmenhandlung am Weihnachtsabend, zum anderen werden auf der Bühne die Träume zur Wirklichkeit.

Opulente Kostüme und getanzte Bilder

Die Handlung, angelehnt an ein Märchen E.T.A. Hoffmanns, ist schnell erzählt: Das Mädchen Marie bekommt zu Weihnachten von ihrem Patenonkel einen Nussknacker geschenkt. Im Traum wird der Nussknacker von einem Mäusekönig mit seinem Hofstaat angegriffen und schwer verletzt. Glücklicherweise hat sich Maries Patenonkel in einen Zauberer verwandelt und verzaubert den Nussknacker kurzerhand in einen Prinzen. Mit ihm reist Marie durch ein Märchenland, am Ende feiern sie Verlobung. Ebenso bezaubernd wie die Handlung sind auch die Tänze des Ensembles unter Leitung von Konstantin Iwanow. Während sich das Bühnenbild auf einen überdimensionalen Tannenbaum und eine Winterlandschaft beschränkt, sind die getanzten Bilder und die Kostüme opulent. Eben so, wie es sich für ein klassisch inszeniertes Ballett gehört.

Donnernder Applaus am Schluss

Die Tänzer des Russischen Klassischen Staatsballetts haben ihr Handwerk zumeist an renommierten russischen Schulen gelernt, viele von ihnen an der professionellen Ballettschule Mari El. Mari El ist eine Republik im europäischen Teil Russlands, dort ist auch das Staatsballett beheimatet. Regelmäßig touren die Tänzer durch die Welt und sind auch immer wieder in Deutschland zu Gast. In Delmenhorst gab es für ihren Nussknacker donnernden Applaus.