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Überzeugende Lesung Klaus Modick unterstützt „Kinder-Wunsch-Baum“-Aktion in Delmenhorst

Von Jasmin Johannsen | 29.10.2019, 21:02 Uhr

Der Autor Klaus Modick hat am Montagabend seinen neuesten Roman „Keyserlings Geheimnis“ in der Delmenhorster Markthalle vorgestellt. Der Erlös der Benefiz-Lesung kommen der Aktion „Kinder-Wunsch-Baum“ zugute.

Delmenhorst In eine Zeit, in der Frauen bereits mit dem Zurschaustellen der Wade die Spitze der Frivolität erreichten und Männer sich zur Wiederherstellung ihrer geschundenen Ehre duellierten, hat am Montagabend der Autor Klaus Modick sein Publikum entführt. Vor knapp 70 Zuhörern las er in der Markthalle aus seinem 2018 erschienen Künstlerroman „Keyserlings Geheimnis“.

Die Benefiz-Lesung fand zugunsten der diesjährigen Aktion „Kinder-WunschBaum“ statt und wurde von dem Familien- und Kinderservicebüro in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Sabine Jünemann und der Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft veranstaltet.

Einladung gern angenommen

Der Einladung nach Delmenhorst sei er nur zu gerne gefolgt, erklärte Klaus Modick. Denn die „Kinder-Wunsch-Baum“-Aktion, die bedürftigen Kindern einen Wunsch mit Hilfe von Spenden erfüllt, fände er großartig. Weniger großartig wäre allerdings, dass solche Aktionen in einem Land wie Deutschland überhaupt nötig seien, fügte der Autor hinzu. „Die Wunde ist groß und das Pflaster ist klein. Das heißt aber nicht, dass wir das Pflaster nicht kleben wollen“, fand der Schriftsteller poetische Worte, „ich bin heute also zum Kleben hier.“

Das „Kleben“ erledigte der Oldenburger Autor, indem er Kostproben aus seinem neuesten Roman gab. „Keyserlings Geheimnis“ spürt fiktional dem Leben des deutsch-baltischen Schriftstellers und Dramatikers Eduard Graf von Keyserling (1855-1918) nach. Einem Leben, das Historikern auch 100 Jahre nach dessen Tod noch Rätsel aufgibt. Denn Keyserling verschwieg selbst seinen Freunden und Weggefährten wie den Schriftstellern Max Halbe und Frank Wedekind oder dem Maler Lovis Corinth die Vorkommnisse im Jahr 1877, die das Leben des jungen Studenten für immer verändern sollten.

Nacht-und-Nebel-Aktion

Fakt ist, dass Keyserling Rechtswissenschaften in Dorpat (heute Tartu in Estland) studierte und aus „ungeklärten Umständen“ nicht nur aus seiner Studentenverbindung ausgeschlossen, sondern auch von der Universität exmatrikuliert und danach als Ausgestoßener von der Gesellschaft gemieden wurde. „In einer Nacht-und-Nebel-Aktion floh er nach Wien und ließ sich ganze zwölf Jahre nicht mehr in Kurland blicken“, berichtete Modick den Zuhörern.

Was diese Reaktion hervorgerufen hat, ist allerdings nicht bekannt. Genau hier knüpft Modick mit seinem Roman an. „Ich habe mich gefragt: Was war da wirklich los? Und habe angefangen zu forschen – in mir selbst“, sagte der Autor lachend. Er unterstellt dem jungen Keyserling eine Affäre mit einer „jungen, schönen“ und vor allem verheirateten Frau und ein Duell, dem er ausgewichen ist und dadurch sein Gesicht verloren hat.

Lesung macht Lust auf mehr

Modick beschreibt all diese Ereignisse mit viel Sinn für Ironie und vor allem Einfühlungsvermögen. Ob als junger und unbeholfener Student oder als alternder, bereits an Syphilis erkrankter und unter „strahlender Hässlichkeit“ leidender Dandy – in den von Modick vorgetragenen Szenen verschwammen Fiktion und Realität unmerklich. Ein Abend, der Lust auf darauf machte, Keyserlings Geheimnis näher zu ergründen.