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Kleinere Häuser müssen weichen Bau von Mehrfamilienhäusern boomt in Delmenhorst

Von Thomas Breuer | 05.01.2018, 10:16 Uhr

Knappes Bauland in Delmenhorst? Für Familien schon, für Investoren offenbar nicht.

Vielerorts im Stadtgebiet verschwinden alte Einfamilienhäuser und machen Platz für größere Wohngebäude. Ein Trend, den die Stadtverwaltung seit 2011 beobachtet.

„Wahnsinn, wie neue Wohnungen sofort weggehen“

An der Nutzhorner Straße etwa lässt der Delmenhorster Günther Kochon gerade zwei Vierfamilienhäuser errichten. Er hat das große Grundstück mit einem Haus darauf erworben und dieses abreißen lassen. „Man muss die vorhandenen Baugrundstücke intensiv nutzen“, sagt er. Und weiter: „Wahnsinn, wie neue Wohnungen sofort weggehen.“

So wie der Privatinvestor sind derzeit viele Akteure auf der Suche nach Flächen, die ausreichend Platz für Mehrparteienhäuser versprechen. In den Fokus kommen dabei immer wieder Grundstücke mit kleineren alten Häusern, die kurzerhand abgerissen werden. Das rechnet sich vor allem für gewerbliche Interessenten. Investor Kochon sieht daher im Stadtgebiet noch viel Potenzial für Neubauten. Auch an der Hölderlinstraße/Ecke Ströhenweg hat er ein Grundstück erworben, auf dem das alte Haus bald Geschichte sein soll. Geplant ist ein Achtfamilienhaus.

Nur ein Stück weiter, dort wo der Ströhenweg auf den Dwoberger Heuweg trifft, machen Abrissarbeiten gerade den Weg frei für ein Fünf-Parteien-Haus. Es wird von einem anderen Bauherrn errichtet.

Chancen auch für vorhandene Infrastrukturen

„Die spürbar große Nachfrage am Wohnungsmarkt führt selbstverständlich auch zu Veränderungen in bestehenden Wohngebieten“, sagt Stadtbaurätin Bianca Urban. Die sogenannte Innenentwicklung bietet nach ihrer Einschätzung viele Chancen: „Vorhandene Infrastrukturen, wie zum Beispiel der ÖPNV, Nahversorgungszentren, Straßen, Schulen und Kitas können genutzt und gestärkt werden.“

Urban bezeichnet das Engagement privater Bauherren und -unternehmen für den Delmenhorster Wohnungsmarkt als sehr wichtig. „Wir sehen diese Entwicklung daher überwiegend positiv“, sagt sie. Wichtig ist der Spitzenbeamtin aber, „wie sich ein neues Haus an der Nahtstelle zum öffentlichen Straßenraum zeigt“. Urban begrüßt niedrigere Grundstückseinfriedungen und ortstypische Hecken, eine gute Architektur und Freiflächengestaltungen mit hohem Anteil nicht versiegelter Grundstücksfläche. „Es ist schade, dass dies nicht immer gelingt“, stellt sie fest. „Die Gestaltung liegt heute in der Hand der Bauherren. Hier ist aus meiner Sicht noch etwas Luft nach oben.“

Ausmaße der Altbestände oft unter den Möglichkeiten

Dass kleinere Häuser auch in gewachsenen Wohngebieten durch größere ersetzt werden dürfen, liegt laut Verwaltung daran, dass die Ausmaße der Altbestände oft unter den Möglichkeiten liegen, die der jeweilige Bebauungsplan zulässt.

Dies gilt auch für ein Grundstück an der Stedinger Straße/Ecke Nordstraße. Ein einst hinter großen Tannen liegendes älteres Einfamilienhaus ist verschwunden, macht Platz für ein Wohn- und Geschäftshaus, das ein Delmenhorster dort in nächster Zeit bauen lassen will. Allein zehn Wohnungen, allesamt senioren- und behindertengerecht, sollen dort entstehen. Zu den vorgesehenen Geschäften macht er noch keine Angaben.

Gesetzliche Regelungen sollen Fehlentwicklung vermeiden

„Diese städtebauliche Nachverdichtung ist in den Fällen, in denen ein Bebauungsplan vorliegt, planmäßig“, heißt es aus dem Rathaus. Und weiter: „Im sogenannten unbeplanten Innenbereich – wenn kein Bebauungsplan vorliegt – muss sich ein Vorhaben unter anderem nach dem Maß und der Bauweise sowie der überbaubaren Grundstücksfläche nach der vorhandenen Bebauung in der Umgebung richten.“ Durch diese gesetzliche Regelung könne keine unerwünschte Entwicklung eintreten.