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Kleve-Modell nicht umsetzbar Delmenhorst will (noch) nicht auf Kleingeld verzichten

Von Yannick Richter, Yannick Richter | 22.02.2016, 12:06 Uhr

Der Verzicht auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen, wie es die niederrheinische Stadt Kleve seit Anfang Februar praktiziert, ist in Delmenhorst bisher kein Thema. Dazu seien bislang zu viele Fragen offen, teilen mehrere Einzelhändler auf dk-Nachfrage mit.

Zahlreiche Einzelhändler aus der nordrhein-westfälischen Stadt Kleve sagen dem lästigen Kleingeld den Kampf an und verbannen seit Anfang Februar Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus ihren Kassen. Sofern die Kunden einverstanden sind, runden die teilnehmenden Händler die Endsumme auf dem Kassenbon auf Fünf-Cent-Beträge ab oder auf, anstatt das Wechselgeld auf den Cent genau herauszugeben. Sowohl für Händler als auch Verbraucher ist die Teilnahme an der Aktion freiwillig. Falls der Kunde mit dem Runden nicht einverstanden ist, hat er einen Anspruch darauf, sein Rückgeld centgenau herauszubekommen. Das Bezahlen mit Ein- und Zwei-Cent-Münzen ist ebenfalls weiter möglich. Grund für den Verzicht auf die Münzen sei die zu teuer gewordene Abwicklung der Zahlvorgänge mit dem Kleingeld. Vorbild der Maßnahmen sind die benachbarten Niederlande, wo das Auf- und Abrunden schon seit Jahren praktiziert wird. (Weiterlesen: Kleve sagt Ein- und Zwei-Cent-Münzen den Kampf an)

Bislang kein Thema für City-Kaufleute

Obwohl die Reaktionen auf das Vorhaben der Klever Händler überwiegend positiv ausfallen, ist der Schritt der 50.000-Einwohner-Stadt in Delmenhorst bisher noch kein Thema. „Grundsätzlich finde ich diese Idee spannend. Ich glaube auch, dass alle Seiten von so einer Umstellung profitieren könnten. Bislang haben wir das hier vor Ort allerdings noch nicht weiter thematisiert“, bezieht Christian Wüstner, Sprecher der City-Kaufleute, auf Nachfrage unserer Redaktion Stellung. (Weiterlesen: Kaufleute-Sprecher will gegen Online-Handel punkten)

Viele offene Fragen

Viele seiner Mitstreiter aus der Innenstadt zeigen sich prinzipiell ebenfalls interessiert. Noch überwiegen bei den Geschäftsinhabern jedoch die Zweifel an der Umsetzung, da viele Fragen offen seien. Durch das auf das Gramm genaue Abwiegen der Waren stehen in der Fleischerei Lutz Lehnacker beispielsweise krumme Zahlen auf der Tagesordnung. Ein runder Endbetrag kommt dort in der Regel nur zufällig zustande. Das weiß auch Geschäftsführer Thomas Nordbruch, der sich deshalb auf der einen Seite auch gesprächsbereit zeigt, auf der anderen Seite jedoch ins Grübeln gerät. „Das Finanzamt schaut uns ganz genau auf die Finger. Was genau muss ich denn dann überhaupt angeben, damit es keine Probleme gibt?“, fragt sich Nordbruch. „Trotzdem finde ich die Idee an sich gut, denn das würde uns genauso wie dem Kunden zugutekommen“, sagt Nordbruch weiter. (Weiterlesen: Delmenhorster ärgern sich über die City-Baustelle)

Wunsch nach gesetzlicher Verordnung

Rita Imhoff, Geschäftsführerin beim Spielwarengeschäft Otto, ist ebenfalls gespalten. „An sich würde ich das Auf- und Abrunden begrüßen. Aber ich weiß nicht, wie die Kunden reagieren würden, wenn wir das von heute auf morgen ändern würde. Außerdem bin ich etwas skeptisch, ob sich beim Auf- und Abrunden tatsächlich die Waage hält. Um alle zufriedenzustellen, wäre wahrscheinlich eine gesetzliche Verordnung notwendig “, verrät Imhoff.

Vor ganz andere Problemen gestellt sieht sich Sabine Jünemann, Inhaberin der gleichnamigen Buchhandlung. „Durch die Buchpreisbindung sind wir an einen unveränderbaren Preis seitens der Verlage gebunden. Da gestaltet sich das Auf- und Abrunden schwierig“, so Jünemann. (Weiterlesen: Aus für die Plastiktüte? Das sagen Delmenhorster Händler)

Bürger würden Kleve-Modell befürworten

Bei den befragten Bürgern in der Innenstadt und auch unter den dk-Facebook-Nutzern herrscht indes überwiegend Einigkeit. Der Großteil wünscht sich ein ähnliches Modell wie in Kleve und sieht viele Vorteile wie beispielsweise Übersichtlichkeit, Einfachheit, Zeitersparnis und geringeres Gewicht. Getreu dem Motto „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“ gibt es jedoch auch eine Minderheit, die nur sehr ungern etwas am Bezahlsystem verändern würde. Einen unkomplizierten Vorschlag, den wahrscheinlich alle Verbraucher unterschreiben würden, hatten ein paar Facebook-Nutzer parat. Sie fragten, warum alles denn so umständlich sein müsse und warum die Händler nicht von vornherein alle Artikel auf fünf Cent auszeichnen könnten, damit weder auf- und abgerundet noch kompliziert herumgerechnet werden müsse.