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Klimaschutzmanager Dr. Christian Pade Neues Gesicht für Delmenhorster Klimaschutz

Von Frederik Grabbe | 18.01.2016, 07:56 Uhr

Delmenhorst will Energie sparen und den Ausstoß von Kohlendioxid verringern. Dieses Bestreben soll nicht nur auf dem Papier eines Ratsbeschlusses gelten – nun hat es ein Gesicht erhalten. Seit dem 1. Januar steht Dr. Christian Pade als Klimaschutzmanager in Diensten der Stadt. Nun wurde der offiziell vorgestellt.

Klimaschutz ist ein komplexes Metier. Gerade für fast drei Wochen im Amt, will sich Pade darum nicht auf bestimmte Schutzprojekte festnageln lassen. Nur so viel: Mehr als 587.000 Tonnen des Treibhausgases CO2 stößt Delmenhorst laut Klimaschutzkonzept jedes Jahr aus. Seit dem Jahr 1990 ist das eine Steigerung von zehn Prozent. Und: dies sind lediglich energiebedingte Emissionen. Das CO2, das zum Beispiel aufgebracht wird, um Konsumgüter für Delmenhorster zu produzieren sind da noch gar nicht mit eingerechnet. Dieser Wert soll sinken, so Pade.

Kümmerer, Motor, Impulsgeber

Aber Zahlen sind erst einmal nebensächlich. „Ich muss leider die Erwartungen dämpfen, dass ich hier viel mit konkreten Angaben hantiere“, sagt Pade bei seiner Vorstellung im Rathaus. „Zunächst geht es darum, in der Bevölkerung in Bewusstsein für den Klimaschutz zu schaffen, Anstöße zu geben, wie Klimaschutzziele zu erreichen sind.“ Er sehe sich als „Kümmerer“, als „Motor“ oder „Impulsgeber“. „Den Klimaschutz umsetzen müssen die, dies es betrifft“, spricht Pade Verbände, Institutionen, Kommunen, Unternehmen oder Privatpersonen an. Er könne nur eine helfende Rolle einnehmen, indem er Schutzmaßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept der Stadt priorisiert, sie umzusetzen versucht und bei anderen dafür wirbt.

Habe nichts gegen ambitionierte Ziele

Das Konzept umfasst 55 Einzelschritte wie beispielsweise eine Energieberatung für einkommensschwache Haushalte, die Erstellung eines Solarkatasters, eine effizientere Straßenbeleuchtung oder Car-Sharing-Angebote. Der Vorschlagskatalog sei „äußerst ambitioniert“, sagt Pade. „Aber gegen ambitionierte Ziele habe ich nichts einzuwenden.“

Schlüsselerlebnis in Borneo

Für seine Aufgabe scheint er nach Ansicht der Auswahlkommission wie gemacht: Der 36-Jährige setzte sich gegen 83andere Bewerber durch, er studierte unter anderem in Berlin öffentliches und betriebliches Umweltmanagement arbeitete dort unter anderem am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung. Zuletzt war der gebürtige Berliner als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Technik-Folgen-Abschätzung an der Universität Bremen tätig, wo er auch seinen Doktortitel erlangte. „Nachhaltigkeit“ ist das große Thema, dass sich durch seinen Lebenslauf zieht. Ein Schlüsselerlebnis hatte er nach dem Abitur in Borneo, dort habe er erlebt, „wie die Ressourcen dieser Erde verschwendet werden.“ Ungebremste Urwaldrodung oder Rohöl, das ungefiltert ins Meer lief: Dies habe ihn nicht kalt gelassen, beteilige sich die westliche Gesellschaft doch durch ihren Konsum selbst an dieser Entwicklung.

Rad statt Auto

Aus diesen Erfahrungen habe sich ein Ideal abgewandelt, dass Pade auch nach außen trage, berichtet Fachbereichsleiter Fritz Brünjes: „Statt um einen Dienstwagen hat Pade bei Stellenantritt um ein Dienstfahrrad gebeten. Er kann ein Vorbild sein.“ Unter anderem wird er an den Sitzungen des Umweltausschusses aktiv teilnehmen. So soll er zunächst für die Politik erkennbar werden. Denn eines weiß Pade ganz genau: „Ich muss für die Menschen sichtbar sein, wenn ich etwas erreichen möchte.“