Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Klinik in Delmenhorst Institut hält an Kritik trotz JHD-Erklärung fest

Von Sonia Voigt | 15.11.2018, 15:41 Uhr

Trotz der Verweise des Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD) auf ein fehlerhaftes Messgerät hält das Institut, das im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses die Krankenhaus-Qualität untersucht, die Kritik an der Neugeborenen-Versorgung vor Ort aufrecht.

Trotz der Verweise des Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD) auf ein fehlerhaftes Messgerät hält das Institut, das im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses die Krankenhaus-Qualität untersucht, die Kritik an der Neugeborenen-Versorgung vor Ort aufrecht. In zwei ausführlichen Stellungnahmen hat das JHD versucht, jeden der 27 Fälle von Neugeborenen mit kritischen Werten zu erklären, berichtet Geburtsheilkunde-Chefärztin Dr. Katharina Lüdemann. Nur sechs Kinder hätten tatsächlich schlechte Blutgas-Werte gehabt, bei den anderen habe ein 2017 angeschafftes Gerät unerklärlich schlechte pH-Werte geliefert. Überprüfungen mit einem älteren Gerät zeigten unauffällige Ergebnisse. Warum diese Ausführungen das Urteil „unzureichende Qualität“ bei diesem einen von fünf Bewertungskriterien in der Geburtshilfe nicht abwenden konnten, ist am JHD nicht bekannt.

Delmenhorster Erklärung überzeugte nicht

Zum Einzelfall äußert sich das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) nicht, das für den kürzlich erschienenen Krankenhaus-Qualitätsbericht Geburtshilfe, gynäkologische Operationen und Mammachirurgie in 1084 Kliniken überprüfte. Aber weil eine negative Einstufung weitreichende Folgen für die Krankenhäuser haben kann - die Landesplanungsbehörden können die Ergebnisse bei Finanzentscheidungen heranziehen - werden alle Daten und auch die Erklärungen der Kliniken dazu laut IQTIG genau überprüft. „Auf Basis dieser Stellungnahmen und mithilfe beratender Expertengremien erfolgt dann eine fachliche Bewertung dieser vorgebrachten Gründe“, erläutert das Institut. Die Delmenhorster Erklärung überzeugte aber offenbar nicht genug, um die negative Einschätzung zu revidieren.

73 Krankenhäuser haben schlecht abgeschnitten

Delmenhorst steht damit aber keinesfalls allein da. 73 Krankenhäuser haben in einem der untersuchten Bereiche schlecht abgeschnitten. In der Region sind das Bremer Diako und das Evangelische Krankenhaus Oldenburg betroffen. Während das Diako bei einem anderen der fünf Geburtshilfe-Bewertungskriterien Probleme hatte – hier gelang es zu oft nicht, einen Notfallkaiserschnitt innerhalb von 20 Minuten zu gewährleisten – ist in Oldenburg genau wie in Delmenhorst die Versorgung Neugeborener im kritischen Zustand bemängelt worden. In der ersten Stellungnahme zum Untersuchungsergebnis hatte JHD-Chefärztin Dr. Lüdemann darauf verwiesen, dass andere Krankenhäuser, die das gleiche Gerät verwenden wie das JHD, „dieselben Schwierigkeiten und daraus resultierend ebenfalls statistische Auffälligkeiten“ hatten.